Von Anna v. Münchhausen

Psychogramm! Horst Regge hebt seine ziemlich blauen Augen zur Zimmerdecke. Wenn er ehrlich ist, hat er von Anfang an nicht daran geglaubt. Ein 59 Jahre alter Kriminalhauptkommissar kennt sich doch aus. Was soll das Gutachten eines Psychologen schon anderes verraten als das, was er und seine zwei Mitarbeiter längst wissen? Wie überraschend etwa ist die Feststellung, da sei ein Mensch am Werk, der „ein frühkindliches Trauma“ zu bewältigen habe? Regge klopft auf den betagten Behördentisch: „Das kann ich aus Erfahrung sagen: Es gibt kein Psychogramm, das zum Täter geführt hat.“

Kein Täter also. Statt dessen Taten, grausame, und gleich im Dutzend. In einer „Aufstellung der Pferdetötungen im norddeutschen Raum“ der Kripo Uelzen lesen sie sich so:

1. Tötung einer Stute in Betzhorn, Landkreis Gifhorn

Tatzeit: Nacht zum 09.05.93 (Samstag/Sonntag)

Tatort: Gemarkung Wahrenholz, OT Betzhorn, Weide am westl. Ortsrand

Sachverhalt: Stute wurde mit Stichen in Hals und Flanke getötet. Und so weiter, für jeden Auftritt eine Stecknadel in der Landkarte im Dienstraum, bis zu Nr. 12, dem vorerst letzten Fall: Tötung einer 4jährigen Warmblutstute bei Wernstedt, Sachsen-Anhalt. Tatzeit: Nacht zum 19.08.1994. 21 Pferde insgesamt; Hannoveraner, Oldenburger, Araber; Stuten, Fohlen, auch ein 25jähriger Wallach war unter ihnen. Umgebracht, immer nachts, immer auf die gleiche Weise: mit wuchtigen Stichen in das Blatt oder die Flanke. Einige Tiere überlebten schwer verletzt.