Vorgestern Feuer, heute Geschrei: Rowohlt-Chef Michael Naumann und Elmar Faber, ehemals Leiter des Ostberliner Aufbau-Verlags, streiten um die Plusauflagen – heimliche Mehrdrucke lizensierter Westbücher durch DDR-Verlage. Faber: Das war Widerstand gegen Kalten Krieg. Naumann: Gangsterstück!

Kein DDR-Verlag hat sich bereichert, aber Honeckers Staat. Westautoren wurden betrogen und im Osten popularisiert. Zehn- oder fünfzigtausend Bölls – sie reichten nie, trotz harter Flirts mit korpulenten Volksbuchhändlerinnen waren sie nicht zu bekommen. Was aber tat das Schwarzgedruckte? Half es den SED-Staat stützen oder stürzen? Ideologen, gebt es uns!

Nur wenige Leser zogen nach der Lektüre von Sartres „Ekel“ aus, Erich zu ermorden. Nur wenige schnarchten nach Brochs „Schlafwandlern“ getröstet dem 100. DDR-Geburtstag entgegen. Fast alle empfingen wir ein Mittleres: Lesers pochendes Ahnen mangelnden Einklangs mit der Welt ringsum. Wer also hat recht – Homo Faber oder Michael Kohlhaas? – Beide. – Wer sollte zahlen? – Keiner, oder die Bundesrepublik Deutschland. Gebt Ruhe, ihr Lieben! Ihr stört uns beim Lesen. C.D.