Wired" kommt aus San Francisco und ist das Blatt, das die digitale Revolution erklärt Zentralorgan des Cyberspace
Von Aaron Koenig
Get Wired! Branchez! Enchufate! Schließ Dich an! Kunin Suksuk! Auf jedem Titelblatt verkündet das Wired Magazin seine Botschaft in einer anderen Sprache. Sie lautet: Das digitale Zeitalter ist angebrochen - schließe deinen Computer ans globale Dorfnetz an und sei dabei.
„Wir erleben zur Zeit eine wirkliche Revolution", sagt Louis Rossetto, der cisco gegründet hat „Diese Revolution unterscheidet sich von vorherigen Revolutionen nur dadurch, daß es keine Schießereien auf der Straße gibt "
Rossettos Zeitschrift ist kein Computermagazin. Sie will die kulturellen Umwälzungen, die digitale Information und Kommunikation auslösen, verständlich machen „Computermagazine befassen sich mit den Werkzeugen, Wired befaßt sich damit, wer sie benutzt, zu welchem Zweck sie eingesetzt werden und was das für unsere Gesellschaft bedeutet", sagt Chefredakteur John Battelle.
Markt. Innerhalb kürzester Zeit wurde es zur Pflichtlektüre für Trendsetter, Medienmacher und Computerkünstler; der Erfolg überraschte selbst die Gründer. Sie erlebten, daß das Projekt bereits nach einem Jahr schwarze Zahlen schrieb und monatlich erscheinen konnte; jede Ausgabe wird heute in rund 240 000 Exemplaren gedruckt, davon gehen 30000 an Abonnenten, 80000 werden am Kiosk verkauft, der Rest kommt etwa bei Computermessen ans Volk.
Für die Anzeigengewinnung half natürlich, daß der durchschnittliche WiredLeser einer ist, wie ihn Werbetreibende lieben: 35 Jahre alt, mit Hochschulabschluß und einem Jahreseinkommen von 86000 Dollar. Die größten WiredFreunde sind College Studenten, Jungprofis aus der Computer- und Medienbranche in ihren Dreißigern sowie „alte Schlachtrösser", die seit den Tagen des legendären Apple II Computers an der Grenze des digitalen Raums Pionierarbeit leisten.
„Jede Epoche hat ein Medium, das sie definiert", sagt Louis Rossetto selbstbewußt „In den sechziger Jahren war der Subkultur. Vanity Fair hat den YuppieLifestyle der achtziger Jahre am besten gespiegelt. Uns ist anscheinend so etwas in den Neunzigern gelungen "
im Wortspiel (weird) auch „überdreht, angespannt". Schon der Titel reflektiert also eine ambivalent kritische Grundhaltung. cisco: Hier wirkt der Free your mind Spirit der sechziger Jahre noch, und er hat auch die Szene der Computerireaks befruchtet. Das Silicon Valley als Weltzentrale der Computerisierung ist nur ein paar Autominuten entfernt.
- Datum 30.09.1994 - 07:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 30.9.1994 Nr. 40
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