• Diana Gabaldon ist eine Bestsellerautorin in den USA. Man kann ihr beim Schreiben über die Schulter schauen – dank Computer

Von Barbara Schnell

Der Cyberspace – unendliche Weiten, deren Fluchtpunkte täglich durch neue Datenautobahnen und Bit-Schleichwege verbunden werden. So sehen es die Freunde digitaler Netze. Unendlich ist diese Welt zwar nicht, aber sie bietet Wunder, die zuvor schwerlich zu kriegen waren. Zum Beispiel, Schriftstellern bei der Arbeit zuzusehen.

Zu den derzeit meistbefahrenen Strecken im Cyberspace zählt der amerikanische Online-Dienst CompuServe. Eine seiner zirka 500 Diskussionsgruppen, die hier „Foren“ heißen, ist das Literaturforum, eine Art virtueller Bar, in der sich Schriftsteller, Journalisten und Leseratten treffen (auch wenn sie in Wirklichkeit alle zu Hause sitzen und nur ihren PC ein wenig telephonieren lassen). Zu den schillerndsten Stammgästen dieses Treffpunkts gehört die amerikanische Bestsellerautorin Diana Gabaldon.

Es soll nicht stören, daß die 42jährige Schriftstellerin im deutschsprachigen Raum noch keinen Namen hat, auch nicht, daß europäische Feinspitze die Cover ihrer drei erschienenen Romane angesichts des goldenen Prägedruckes nur mit übergestreiften Kitschhandschuhen anfassen. Aber die Übersetzung ihres ersten Werks ist bei Blanvalet in Arbeit und wird nächstes Jahr erscheinen. Und dann ist da noch die Tatsache, daß man heute schon mittels des eigenen PCs und Telephons mitlesen kann, was Diana Gabaldon demnächst veröffentlichen wird.

Alex Krislov, der Sysop (vulgo: Systemoperator) im Literaturforum, bat sie, die Forumssektion „Research and craft“ zu leiten. „Schließlich landete sie ihren ersten großen Erfolg als Mitglied des Literaturforums“, erklärt er, „und sie benutzte ihre Verbindung zum Forum für einen Großteil ihrer Recherche. Niemand weiß besser, wie man es sich beim Schreiben zunutze macht, online zu sein.“ Gabaldon und das Literaturforum; Insider kennen die Geschichte. Diana Gabaldon, promovierte Meeresbiologin und Ökologin, arbeitete zwölf Jahre lang als Wissenschaftlerin und schrieb nebenher Software-Rezensionen, etwa für das Computermagazin Byte. Eines Tages bekam sie ein Testpaket für CompuServe: „Der Softwarehersteller Borland unterhielt dort ein Hilfeforum und bat mich, einmal vorbeizuschauen.“ Nach zwanzig Minuten war die Neugier gestillt, aber mehr als vier Stunden Probezeit waren übrig.

Diana Gabaldon begann sich umzusehen, stolperte ins Literaturforum und „war auf Anhieb fasziniert“ von der wirren Mischung von Büchernarren, die sich hier per elektronischem Schriftverkehr unterhielt – „ein idealer Ersatzbekanntenkreis für jemanden mit drei kleinen Kindern, einem Vollzeitjob und einer Beschäftigung als freie Autorin“, wie sie erkannte. 1987 fing sie – „nur zum Üben“ – ihren ersten Roman an, und nach der Gewohnheit der On-line-Menschen stellte sie einen Teil öffentlich zum Abholen und Lesen im Forum aus.