In der Kunst, also auch im Kino, gibt es zwei wirksame Tabus: Obszönität und Blasphemie. Wer gegen eines von beiden verstößt, wird von der Gesellschaft bestraft. Ein drittes Tabu, die „Verherrlichung von Gewalt“, ist viel schwerer durchzusetzen. Im Zweifelsfall gilt selbst für Rambo und Schwarzenegger die Freiheit der Kunst. Gilt sie auch für Oliver Stones Film „Natural Born Killers“?

Stones Film, das macht den Fall kompliziert, will kein bloßer Schocker sein, sondern eine Satire. Die Gewaltorgien, die er zeigt, sollen die Blutgier und Sensationslust der amerikanischen Medien und ihres Publikums bloßstellen. Aber „Natural Born Killers“ macht aus der Medienkritik einen Vernichtungsrausch. Der Film stiftet nicht zum Denken an, sondern zu Häme und Gleichgültigkeit. Als Kunstwerk ist er gescheitert. Verbieten kann man ihn deshalb nicht.

Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft hat Stones Film ab achtzehn Jahren freigegeben. Diese „Zensur“ genügt. Wer die Gewalt aus den Bildern verbannen will, sollte da anfangen, wo sie zum Alltag gehört: im Fernsehen. Stones Satire hat ihr Thema verfehlt. Das bedeutet nicht, daß das Thema erledigt ist. A.K.