Von Wilfried Kratz

Martin Kohlhaussen muß sich um seinen Ruf sorgen. Amerikanische Kapitalanleger werfen dem Vorstandsvorsitzenden der Commerzbank vor, er habe sie mit zu rosig beschriebenen Zukunftschancen des britischen Container-Vermieters Tiphook dazu verleitet, Anleihen dieses Unternehmens zu kaufen. Tiphook hat heute mit großen finanziellen Problemen zu kämpfen. Die Anleihen haben seit der Emission rund dreißig Prozent ihres Wertes eingebüßt und inzwischen ist fraglich, ob sie getilgt werden können.

In einer Klageschrift, die sie einem Gericht im US-Bundesstaat New Jersey einreichten, behaupten die Investoren zudem, Kohlhaussen habe als Mitglied des Verwaltuftgsrates von Tiphook darauf gedrängt, die Anleihen aufzulegen, obwohl er die prekäre Lage des Unternehmens kannte. Mit dem hereinkommenden Geld, behaupten die Kläger, sollten Kredite der Commerzbank getilgt werden. Tiphook hat 1993 in drei Tranchen insgesamt 700 Millionen Dollar auf dem amerikanischen Kapitalmarkt aufgenommen.

Kohlhaussen ist damit in die Gesellschaft der Manager geraten, die einer wachsenden Kritik an kapitalistischen Exzessen auf der britischen Insel gegenüberstehen. Dabei geht es nicht nur um Interessenkollisionen wie bei Tiphook, sondern auch um übertriebene Gehälter und Abfindungen von Managern und Bestechung von Politikern, was vor allem der Konservativen Partei zu schaffen macht.

Tiphook gilt in Großbritannien als besonders krasses Beispiel für eine bedenkenlose Unternehmensführung und eine überaus großzügige Selbstbedienung der Manager. Die von dem 46jährigen Robert Montague gegründete Gesellschaft, die mit der Vermietung von Lastwagen und Containern Geschäfte macht, wurde 1993 an der Börse mit fast 600 Millionen Pfund bewertet, ist heute aber keine 40 Millionen Pfund mehr wert. Sie mußte ihre größte Sparte im Notverkauf abstoßen, weist für das vergangene Geschäftsjahr per Ende April 1994 einen Verlust von 331 Millionen Pfund aus, hat Schulden von 535 Millionen Pfund in der Bilanz und erhielt vom Wirtschaftsprüfer das Testat nur mit vielen Einschränkungen.

Ein solcher Aufstieg und Fall ist in dem rauhen kapitalistischen Klima auf der Insel nicht völlig unbekannt. Aber was selbst abgebrühte Briten erstaunte, war das Ausmaß der finanziellen Selbstversorgung durch die Direktoren. Der Vorstand des Unternehmens mit seinen weniger als 1000 Beschäftigten genehmigte sich unter den Augen des Aufsehers Kohlhaussen für das vorangegangene Geschäftsjahr Bezüge von mehr als 6,4 Millionen Pfund. Darin eingeschlossen waren fast 4 Millionen Pfund für den Abschied von vier Direktoren, die Verantwortung für den Absturz tragen, selbst aber an goldenen Fallschirmen eine weiche Landung machten. Robert Montague nahm fast 1,5 Millionen Pfund, als er das Amt des Vorsitzenden aufgab, um sich mit der Rolle des Chief Executive (Generaldirektor) zufriedenzugeben.

Montague machte sich auch in der Konservativen Partei beliebt, die aus der Tiphook-Kasse alimentiert wurde. Auf Geheiß von Margaret Thatcher ließ ihm die Königin eine Ehrung zukommen. Montague zeigte sich dankbar, indem er die Überweisung an die Tories auf 80 000 Pfund verdoppelte. Erst im vergangenen Jahr mußten die Konservativen völlig hinter den Direktoren zurückstehen und erhielten keinen Penny mehr.