Boris Jelzin spendet schwachen Trost zu spät. Er hat den skandalumwitterten General Burlakow, den stellvertretenden Verteidigungsminister, gefeuert. Aber dessen Spezi, Verteidigungsminister Gratschow, bleibt. Gerade weil Gratschow den notorischen Absahner der früheren Westgruppe mit Jelzins Beistand zu sich geholt hatte, war das vage Gleichgewicht der rivalisierenden Fraktionen im Verteidigungsministerium gekippt.

Deren Rivalität gilt den Pfründen aus geheimen Deals mit Waffen, Armeebeständen und möglicherweise auch mit Drogen, die über Tadschikistan nach Europa gelangen. Um den „Konkurrenten“ Gratschow zu erledigen, setzten seine Gegner das Belastungsmaterial gegen die Westgruppe ein. Jelzin hätte Gratschow dennoch nicht schonen dürfen. Er hätte jetzt im gleichen Zug den hochqualifizierten Zivilisten im Verteidigungsministerium, Andrej Kokoschin, oder den unbelasteten Generalstabschef Michail Kolesnikow zum neuen Minister ernennen müssen. Mit Gratschow bleibt die Armee im Sumpf. Und General Lebedj, der auftritt wie Schwarzenegger und manchmal spricht wie Pinochet, kann sich weiter zum Retter aufdonnern. C.S.-H.