Der Mineraloge Albert Günter Herrmann (65) begleitet die Endlagerforschung in Deutschland seit 1978 mit eigenen wissenschaftlichen Arbeiten. Dabei konnte er mitverfolgen, wie das Konzept der Endlagerung radioaktiver Abfälle in Salzstöcken nicht nur neuen fachlichen Erkenntnissen, sondern auch veränderten politischen und juristischen Konstellationen angepaßt wurde.

So wurde in den siebziger Jahren und noch 1979 anläßlich des Gorleben-Symposiums in Hannover von der Reaktorsicherheitskommission (RSK) die Behauptung vertreten, daß Salzgesteine undurchlässig für Lösungen und Gasen seien. Daß es sich dabei um eine „wissenschaftlich völlig unbegründete These“ handelte, war dem Salzlager-Fachmann Herrmann und seinen Fachkollegen „seit Jahrzehnten bekannt“. Nachdem in allen vier Gorleben-Erkundungsbohrungen Salzlösungen nachgewiesen wurden, mußte auch die RSK ihr damaliges Hauptargument korrigieren. Aber es wurde zunächst, nach Ansicht Herrmanns, „völlig richtig“ an dem Konzept festgehalten, daß bei einer Endlagerung radioaktiver Abfälle in Salzgesteinen für Wasser und Lösungen keine Wegsamkeiten zwischen dem Endlager und dem Deckgebirge bestehen dürfen.

Heute ist auch dieser Endlageraspekt nicht mehr aktuell. Mit der Übernahme der DDR-Betriebsgenehmigung für das Endlager für radioaktive Abfälle in Morsleben (Eram) durch die Bundesrepublik Deutschland sind nach Meinung der RSK selbst solche Wegsamkeiten tolerierbar, wenn sie sich durch bergtechnische Maßnahmen beherrschen lassen.

Herrmann hat diese Anpassung von Sicherheitskonzepten an politische Interessen „trotz versuchter Einflußnahmen, Unterstellungen und Diskriminierungen“ stets konsequent abgelehnt. „Im Vordergrund meiner Argumentationen standen und stehen ausschließlich die dem aktuellen Stand der Wissenschaft entsprechenden Erkenntnisse und Ergebnisse“, betont Herrmann.

Der Geowissenschaftler hat im Jahr 1987 das neu gegründete Fachgebiet „Salzlagerstätten und Untergrund-Deponien“ an der Technischen Universität in Clausthal übernommen, das bis heute die einzige in Forschung und Lehre selbständige Einrichtung dieser Art an den deutschen Hochschulen ist. Herrmann beschäftigt sich seit vierzig Jahren mit der Evaporitforschung und gilt als Fachmann auf diesem Gebiet. Je nach Inhalt seiner wissenschaftlichen Arbeiten zitieren ihn Befürworter oder Gegner der Atommüllendlagerung, verteilen Lob oder Kritik. Weil Herrmann sich weder von der einen noch von der anderen Seite instrumentalisieren lassen wollte, hat er sich in den letzten Jahren kaum noch öffentlich geäußert. Anläßlich seines Eintritts in den Ruhestand bot sich die Gelegenheit zu einem Gespräch. Helga Keßler