Von dieser Anzeige im Elbe Wochenblatt, einer kostenlos verteilten Werbezeitung, fühlen sich gleich mehrere Männer angesprochen: „Drei russische Freundinnen (20, 25 und 27) suchen Partner/Ehemann aus Deutschland.“ Einer der Interessenten beschwerte sich später allerdings bei der Gewerbeaufsicht, da er anstatt glühender Liebespost aus Rußland eine Rechnung vom Heiratsvermittler N. aus Hamburg bekam. Dieser muß sich nun vor Gericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, gleich in 36 Anzeigen Bekanntschaften angeboten zu haben, ohne auf den gewerblichen Charakter seiner Dienste hinzuweisen. So etwas gilt als unlauterer Wettbewerb.

Manfred N. (40) ist eigentlich Angestellter in einer Im- und Exportfirma, die „Vermittlung“ von Frauen aus den Ländern der GUS betreibt er nur „so nebenbei“, als Zubrot am Feierabend. Vor Gericht macht Manfred N. einen seriösen Eindruck. Er trägt eine ordentliche Krawatte und ein Marineblazer mit schmucken Messingknöpfen. Einen Rechtsbeistand hat der Mann nicht dabei.

Das habe er auch nicht nötig, so Herr N., denn seine „Agentur“ arbeite stets korrekt. „Partnervermittlung N.“ kalkuliere die Gebühren angemessen und betrüge ihre Kunden nicht. Vor allem aber, entgegnet Herr N. auf eine süffisante Frage des Staatsanwalts, gebe es seine „Mädels“ tatsächlich. Sie sähen genauso aus wie auf den Photos und seien alle „sofort verfügbar“. „Nicht so Phantasiepersonen“ wie bei anderen Agenturen.

Auch habe er schon mal eine Ehe vermitteln können, rechtfertigt sich Herr N. ungefragt weiter, und das, obwohl er erst seit Juni dieses Jahres in dem Metier tätig sei. Aber sein Geschäft sei schwierig, so klagt Herr N. und zwirbelt erregt seinen mächtigen Schnauzbart. Angebot und Nachfrage klafften auseinander. Die „Mädchen“ seien den deutschen Männern einfach zu jung. Es meldeten sich vor allem „Herren“ über vierzig, die würden gleich am Telephon klarstellen: „Bloß nicht so ein junges Ding!“ – „Das trauen die sich nicht mehr zu.“ Herr N., er selbst ist ebenfalls vierzig Jahre alt, schüttelt betrübt den Kopf.

Allemal seien die 36 Anzeigen im Wochenblatt nicht von ihm. Das sei ja viel zu teuer! Er habe nur die „drei Freundinnen“ in Auftrag gegeben. Er nehme nämlich immer den gleichen Text. Schließlich sei er ja kein Dichter und könne sich nicht jedes Mal etwas Neues einfallen lassen. Wenn sich dann ein Heiratskandidat melde, könne der sich gemütlich und in aller Ruhe die ganze Kartei bei ihm zu Hause im Wohnzimmer anschauen.

Bei näherem Hinsehen muß nun auch das Gericht bemerken, daß die beanstandeten Anzeigen wohl schwerlich von einem Heiratsinstitut stammen können. Zwar wurde stets das gleiche Postfach angegeben, aber von Haushaltshilfen bis hin zu „toleranten“ Begegnungen wird doch recht Unterschiedliches angeboten.

„Eben“, trumpft Herr N. nun auf, das sei bei der Anzeigenaufnahme durcheinandergeraten. Er habe nämlich wie immer seinen Firmennamen und sein eigenes Postfach angeben wollen, dann wären auch keine Mißverständnisse aufgekommen. Nur aus Versehen seien eine Chiffrenummer und das Postfach des Elbe Wochenblattes in seine Anzeige hineingeraten.

Diese Geschichte überzeugt auch das Gericht, und das Verfahren wird wegen Geringfügigkeit eingestellt. Gernot Kramper