Aids-Gala: Der Ausdruck ist so schlimm wie die Krankheit, gegen die gesungen, getanzt, gespielt wird. Gestern in der Deutschen Oper Berlin, morgen im Düsseldorfer Schauspielhaus („Edith Piaf: Ein Leben für die Liebe“, 11. November), heute in der Hamburger Oper. John Neumeier, aus dessen Truppe einige Tänzer dem tückischen Leiden erlegen sind, geht als Moderator der „Benefiz-Gala“ (Ergebnis: 260 000 Mark) in die Offensive: „Die Krankheit ist schrecklich, nicht der kranke Mensch.“ Andreas Schmidt singt eine Arie aus der „Matthäuspassion“, Jochen Kowalski „Ach, ich habe sie verloren“ aus Glucks „Orpheus“, Quadflieg liest ein Kapitel aus Saint-Exupérys „Kleinem Prinzen“, Béjart stellt seinen Tanz-Prinzen Gil Roman vor mit dem „Adagietto“ aus Mahlers „5. Sinfonie“, und das Hamburger Ballett wirbelt traurig schön durch die „Kameliendamen“-Elegie, die Neumeier vor sechzehn Jahren für die Stuttgarter Primaballerina Marcia Haydée geschaffen hat. Nach Chantal Lefèvre und Gigi Hyatt in den ersten beiden Bildern tanzte Marcia Haydée selber – zum letzten Mal – den Todesakt ihrer Parade-Rolle (mit Ivan Liška). Hat die Haydée den Opfertod aus Liebe je traurig- wilder getanzt als bei diesem Abschied? Manch junge Tänzerin wird ganz schön alt werden müssen, um so jung zu sein wie Marcia Haydée an diesem Liebes-Todes-Abend. rm