Dies als Warnung vorweg: Wer nicht bekennt :daß er ein Sudel ist, kann bei dem Abenteuer dieser Gutenachtgeschichte nicht mitmachen. Für Kinder ist das natürlich kein Problem. Für alle anderen gibt die Kröte die tröstliche Antwort: "Auf die eine oder andere Weise sind wir doch alle Sudel Einverstanden? Aber der Reihe nach! Barbara Frischmuth beginnt ihre Geschichte so: "Für eine Kröte war sie eigentlich zu groß, dafür konnte sie sprechen " Und das ist wichtig, daß die merkwürdige Kröte sprechen kann, denn wieder einmal lockt sie Maria Carolina aus dem Bett, da gibt es eine Absprache "Wir wollen zu einem Abenteuer!" Weil die Kröte genau weiß, wo das Boot liegt, rudern sie los über den geheimnisvollen See und dringen in den Wald ein "Und wie kommt man zu einem Abenteuer?" fragt Maria Carolina ungeduldig "Man muß es anziehen!" Die Kröte kennt sich aus. Also suchen sie das Abenteuer nicht, sondern es findet sie.

Denn da bewegt sich plötzlich etwas hinter den Grashahnen, und eine Singsangstimme verkündet: "Sön und saurig ist die Seit Sonne seint und Snee, der sneit. Sieben Swerge, sieben Sachen lassen keine Seit sum Snarchen Klar, da hockt ein Sudel im Versteck, und er will sich nur zeigen und das Mädchen und die Kröte zu den anderen Sudeln führen, wenn sie zugeben, daß sie Sudel sind. Maria Carolina zögert, doch die Kröte siehe oben - gibt die klassische Antwort.

Der Sudel ist größer als die Kröte und kleiner als Maria Carolina, dazu "pelzig, pummelig und ein bißchen popelig". Was das heißen soll? "Das Wesen wirkte nicht besonders sauber. An seinem Pelz hafteten angetrocknete Krümel, Strohhalme und Disteln, und seine Ohren Man muß nämlich wissen, daß sich die Sudel zur Fellpflege im Staub wälzen. Maria Carolina macht es ihnen nach, und die Spuren ihrer Fellpflege entdeckt die Mutter am anderen Morgen an ihrem Kleid. Eine wundervolle Zeit erlebt Maria Carolina bei den so komisch sprechenden Sudeln, die gern essen und sogar gern miteinander kochen und ihre Hände als Löffel und Gabeln benutzen. Niemand sagt zum anderen: "Wisch dir den Mund!" Anschließend tanzen sie zusammen mit dem Mädchen wirbelnd im Kreis, und sie haben wirklich "keine Seit sum Snarchen".

Der Begriff "Gutenachtgeschichte" ist inflationär oft für kümmerliche Tütteltextchen mißbraucht worden, und wenn eine bekannte Autorin und ein renommierter Maler zusammengespannt werden, produzieren sie bisweilen gepflegte Belanglosigkeit. Doch aus der kongenialen Verbindung von Barbara Frischmuth und Dusan Källay ist ein zauberhaftes Stück Bilderbuchkunst entstanden. Von Barbara Frischmuth wissen wir ja längst, daß die Qualität ihrer Erzählungen für Kinder der ihrer Romane und Hörspiele in nichts nachsteht. Dusan Källays Bilder, voll Poesie, märchenhafter Farbigkeit und feinem Witz, sind für manchen von uns Neuentdeckungen. Dabei hat dieser Maler, der 1948 in Bratislava geboren wurde und als Professor für Graphik und Illustration an der Hochschule für bildende Kunst in seiner Heimatstadt arbeitet, schon erstaunlich viele gewichtige Auszeichnungen erhalten wie die Hans Christian Andersen Medaille für Illustration, den Grand Prix der Biennale Bratislava und die Goldmedaille auf der internationalen Buchausstellung in Leipzig.

Sicher kein trifftiger Grund für kleine Sudel, sich in der Geschichte zu suhlen, aber abschrekken läßt sich ein wahrer Sudel von so viel Glanz auch nicht. Jo Pestum Verlag Jugend & Volk, Wien 1994; 32 S, 29 80 DM LUCHS 98 wurde von Ute Blaich, Jo Pestum, Barbara Scharioth und Konrad Heidkamp ausgewählt. Am 7. November, 15 05 Uhr, stellt Radio Bremen 2 seinen Hörern das Bilderbuch vor (Redaktion: Marion Gerhard)