Das hat es im Iran der Mullahs noch nicht gegeben: 134 Schriftsteller fordern in einem Manifest Meinungsfreiheit und ein Ende der Zensur. Ein mutiger Schritt – um so mehr, als viele der Autoren zuvor vom Sicherheitsdienst verwarnt worden waren. Sie hatten sich für einen Kollegen eingesetzt, der seit Monaten ohne Anklage inhaftiert ist. Dennoch wagten sie die Konfrontation, und das Regime hält still. Bislang wurde niemand verhaftet. Sollten die Kleriker womöglich Toleranz zeigen?

Das wäre ein iranisches Wunder. Doch es geschieht nicht, denn die Führung in Teheran will lediglich Konfrontationen vermeiden. Der Unmut der Bevölkerung über die katastrophale Wirtschaftslage und den Meinungsterror ist schon groß genug. Diese Zurückhaltung nutzen die Literaten. Ihr Manifest ist Forderung und Hilferuf zugleich. Im Iran zeichnet sich eine Machtprobe zwischen Theokraten und Demokraten ab. Der Freiheit im Land helfen heißt auch, den Kulturboykott gegen die Islamische Republik zu überdenken. Er meint die Mullahs, trifft aber die kleinen Verlage und Kulturzeitschriften, die seit Jahren für demokratische Verhältnisse kämpfen. Sie brauchen Solidarität, nicht Ausgrenzung. M. L.