Interview

Weder der Vorstand der angeschlagenen Unternehmensgruppe Zeiss noch der Stiftungskommissar Hermann Franz als oberster Aufseher der Unternehmensgruppe haben bislang eine staatliche Unterstützung gefordert. Nun scheint es fast so, als wollten Sie und Ihre Kollegen aus anderen betroffenen Bundesländern dem Unternehmen Subventionen geradezu aufdrängen?

SPÖRI: Das Sanierungskonzept des Vorstands ist nicht die ganze Kostenrechnung, denn alle Beteiligten wissen, daß Sanierungskonzepte an einzelnen Standorten Folgen haben, die den Staat zum kostspieligen Handeln fordern. Zudem hat das dringend notwendige Sanierungskonzept nur eine Chance, wenn es mit Unterstützung der Politik für die Belegschaft tragbar wird.

Was heißt das konkret?

SPÖRI: Das Konzept muß an einigen wichtigen Punkten modifiziert werden, da spielt politische Flankierung eine entscheidende Rolle.

Modifizieren bedeutet, mit Staatshilfe weniger als die angekündigten 3000 Arbeitsplätze abzubauen. Werden dadurch die Probleme nicht nur hinausgeschoben?

SPÖRI: Nein, wir müssen die Sanierung jetzt starten, da bin ich mir mit Herrn Franz einig. Das Eigenkapital des Unternehmens darf nicht aufgezehrt werden, und das operative Ergebnis der Zeiss-Gruppe muß innerhalb von zwei Jahren um 300 Millionen Mark verbessert werden. Trotzdem müssen wir den notwendigen Sanierungsprozeß möglichst sozialverträglich gestalten.