Frohe Kunde vom Zeitschriftenmarkt: Familie und Computer – „das Magazin für engagierte um tern“ macht sich seit einigen Tagen um die Keimzelle der Gesellschaft verdient: Die Familie ist bekanntlich bedroht, vom Smog, von den Steuern und natürlich vom PC. „IBM-Kompaeinzige ist momentan so ziemlich die einzige Harmonie in unserem Haushalt, seit der Computer da ist“, so zeichnet das neue Magazin die Erlebnisse von Novizen erschütternd nach. Es tritt also an zur Rettung der allgemein menschlichen Kompatibilität. Der Burdasche Focus Magazin-Verlag hat es in 155 000 Exemplaren herausgebracht, auf der Suche nach einer Infoelite, die neben Disketten auch Kinder ablegen muß.

Familie und Computer geizt nicht mit konkreten Tips für die PC- und kindgerechte Lebensplanung: „Wenn Ihr Kind einen Draht zur Bakterienforschung hat, sollte dieses Programm nicht auf dem PC fehlen.“ Selbst die pädagogische Hilfestellung bei aufmüpfigen spielsüchtigen Kindern fehlt nicht: „Schauen Sie sich genau an, mit welchen Spieltypen sich Ihr Kind beschäftigt... Auf diese Weise zeigen Sie Kompetenz.“ Dankbar wird man Familie und Hund und andere Hilfen für den kompetenten Umgang mit der Familie abbestellen und mit Spannung lesen, wie anderswo die computerisierte „Ehekrise in der Haustür“ stand.

In der Tür steht nun eher Weihnachten – wie der große Bericht nebenan belegt – und damit die Frage, die auch das erwähnte Magazin bewegt: Was schenkt man eigentlich einem Rechner, der schon alles hat?

Die DV-Szene läßt uns nicht im Stich und hat rund um die „Wunderlampe, die man nur richtig reiben muß“ (Familie und Computer) eine richtige Heim-Industrie aufgezogen. Noch nie gab es so viel nötiges Zubehör. Neue Gehäuse mit Aussparungen für Photos der lieben Kleinen. Blechkisten mit Holzintarsien. Bunte Screenwork-Pappstreifen zur Auflockerung von strengen Monitorrändern. Vor allem aber Mausmatten mit Bratkartoffel- oder Boss-Flair, die beim hektischen Schieben der Maus auf der Oberfläche ihre Düfte preisgeben, wärmeempfindliche Mausmatten, die auf schwitzende Hände reagieren, oder schlichte PMs, persönliche Mausmatten mit dem Photo der intakten Familie.

Wer eine Matte hat, braucht auch eine Maus. Im Heim tummeln sich Familienmäuse mit Kindschutzfunktion, Kindermäuse, Motormäuse für den virtuellen Raser und Schmeichelmäuse für zärtliche bisexuelle Naturen („Erlesenes Motiv. Wunderschöner Anblick. Angenehm zu berühren. Die MouseMan Sensa“). Nicht zu reden von den Mausgaragen in allen Varianten, vom Necessaire-Beutelchen nach Modell Armani bis zur raffinierten Anspielung in Käseform.

Oder freut sich Ihr Computer über einen großen Ziegelblock mit Parkdecks für fünf Mäuse? Dann fällt er allerdings auf die Werbung der niederbayerischen Schlagmann-Baustoffwerke herein, die Computermäuse als Blickfang für ihre Steinklumpen einsetzt.

Die Polizisten in Sachsen werden nach der Bescherung zum Mops greifen. Das ist keine kleine Maus in Hundeform, sondern eine besonders gelungene Abkürzung. In der Langversion „Mobiles Polizei-Bürosystem“ enttarnt sich der sächsische Hund als digitale Knöllchenmaschine.