Was denn - Steadman, der Vater der Krankenhausmäuse mit Schnauzen wie Meerrettichwurzeln und Ohren wie U BootSehrohre und auf den Teddy gekommen? Der jetzt also auch?! "Weißt du, wo die Teddys sind"? Aber weil sich beim Titel als Assoziation Marlenes rauchiger Sprechgesang dazwischenschob ("Sag mir, wo ") und weil es sich, wie gesagt, um Steadman handelt, der bei mir einen Stein im Brett. Gleich beim ersten Bild hat er mich wieder. Vor den Riesenturnlatschen und den über die Hose hängenden Hemdschößen ihres Großvaters lauern zwei Enkelinnen mit Namen Grace und Rebecca Scarlett: "Großvater, was ist ein Teddy?" Wie erklärt man den? Am besten so: "Das werden wir gleich haben. Ich hole eben meinen "

Während Großvater wühlt - Rumpelschrank, Dachboden, Keller , gestatten wir uns einen ausführlicheren Blick auf Grace und Rebecca Scarlett. Grace, im besten "Ausgeh Sonntagskleid" (der Struwwelpeter trägt haargenau das gleiche Modell), hat die Physiognomie einer keifenden Hausmeisterin; Rebecca Scarlett, ein meist in die Knie gefallenes Windelpaket, lutscht süchtig am Kleidersaum von Grace. Wer sie nicht sofort liebt, die mit spitzer Feder hingeätzten, hingescheusalten Steadman Gören, allein des steifen, naßgesukkelten Rockzipfels wegen, der das Sonntagskleid von Grace alle Bilder hindurch ziert wie ein Wurmfortsatz, wird sie niemals lieben.

Um es kurz zu fassen: Seinen Teddy findet Großvater zwar nicht, nur dessen linkes Glasauge, dafür einen Haufen herrlicher Erinnerungen an Spiele, bei denen Teddy sein bester Kumpel war. Auch im Spielzeugladen, einem wahren Horrorshop, sind Teddys unbekannte Wesen. Wie sollen sie aussehen? Müde und traurig? Wie jemand, der jemanden braucht, der ihn liebhat? Und mit bloß einein Auge? Obendrein in einer Pappschachtel? "Sie sind ja verrückt!" sagt der Verkäufer, ein Mutant aus Menschenfresser und Hexe. Er hat recht: Wo alles "bunt und glücklich" ist, hat nichts Müdes, Trauriges Platz. Handfeuerwaffen und Videospiele und Federballschläger haben keine Liebe nötig. Der Verkäufer holt schließlich den Manager. Die Sache scheint verloren.

Der Manager tritt auf. Er hat ein müdes, trauriges Gesicht. Er sieht schrecklich ungeliebt aus. Und er hat bloß ein Auge. Sein Teint ist ausgesprochen gelblich, die Nase platt und wie mit braunem Garn gestickt. Das Ende kann man sich denken. Genau: Er muß bloß noch seine Pappschachtel holen.

Vielleicht hilft es, öfter mal nach dem Manager zu rufen. Karla Schneider Aus dem Englischen von Inge M. Artl; Carlsen, Hamburg 1994;32 S, 28- DM