Die Marktforscher wissen es schon längst: Immer mehr Menschen wollen ihre irdische Frist in Harmonie mit der Natur verbringen und bevorzugen deshalb Öko-Produkte. Schön und gut – doch viel zu kurz gedacht. Denn wirklich ökologisch verhält sich nur, wer das Unvermeidliche – den Tod – nicht ständig verdrängt und selbst auf seiner Reise ins Jenseits mit der Natur im Reinen bleibt. Und das geht selbstverständlich nur im teuren Öko-Sarg. Jedenfalls befand der Bundesverband Sargindustrie e. V. die Botschaft als so wichtig, daß er seine bisher einzige Pressekonferenz unter das Motto stellte: „Särge aus Vollholz – Tradition im Einklang mit der Natur.“

Merkwürdig ist nur, daß eigentlich niemand der Traditionsbranche ihr schönes Image streitig macht, sieht man einmal von den Anbietern dubioser Papp- und Papiersärge ab, die freilich bei der Kundschaft bisher keinen Anklang finden. Nein, in Wirklichkeit bedrücken die Sargzimmerer viel ernstere Sorgen: Ihr Umsatz geht zurück. Schuld daran, ließ der Branchensprecher wissen, sei nicht nur der „Trend zum Sarg der mittleren Preisklasse“ und die Konkurrenz aus Osteuropa; zu allem Übel geselle sich auch noch der „Rückgang der Sterbefälle um ein Prozent“.

Da hilft nur Durchhalten bis zum nächsten Aufschwung. Und der kommt wegen der Vergreisung der Deutschen in rund zwanzig Jahren. vo