...und „Morels Erfindung“ von Reinhard Febel in DarmstadtDie softmoderne Zeitmaschine

von Eckhard Roelcke

Von Eckhard Roelcke

Die phantastische Geschichte beginnt um 19.35 Uhr: Der Flüchtling Arturo gelangt abgerissen und ausgehungert auf eine einsame Pazifikinsel. Doch zu seinem Entsetzen bemerkt er Menschen auf diesem gottverlassenen Eiland: Damen und Herren der High-Society tummeln sich an einem Swimmingpool. Sie bewohnen ein Haus mitten im Urwald, sie tanzen, tafeln und trinken. Arturo schleicht sich heran und beobachtet die Freizeit-Gesellschaft, die ihm nicht ganz geheuer vorkommt. Es stürmt und regnet – und die lebenslustigen Frauen sonnen sich. Alles Lug und Trug?

Warum soll uns der Wahn dieses Menschen interessieren? Es ist (geschätzt) 20.30 Uhr.

Anzeige

Plötzlich glaubt sich Arturo entdeckt, doch die Menschen nehmen überhaupt keine Notiz von ihm. Der Flüchtling belauscht ein Gespräch zwischen der attraktiven Faustine und dem ziemlich betrunkenen Haynes. Sie warnt ihn vor den Machenschaften des Herrn Morel, des Gastgebers der Gesellschaft. Er hat Faustine heftig, doch erfolglos umworben. „Sie soll ihm nicht gehören. Niemals. Ich habe nichts zu verlieren. Faustine soll erfahren, daß es mich gibt.“

Arturo stößt diese tiefempfundenen Sätze aus – so gegen 21.45 Uhr.

Schließlich ruft Morel die Urlauber zusammen. Sie drängen zum Aufbruch. Er eröffnet ihnen sein Geheimnis: Die ganze Zeit habe er sie photographieren lassen, alle Bewegungen und Gespräche seien aufgezeichnet, und ein von ihm erfundener Apparat habe Kopien von allem hergestellt. Und diese Kopien seien so gut, daß sie von den Originalen nicht zu unterscheiden seien.

Das Leben verrinnt. Im Darmstädter Staatstheater wird es wohl so etwa 22.15 Uhr sein.

Service