MANNHEIM. - "Nichts gegen Türken, auch nichts gegen deren Gebetshäuser und religiöse Riten, aber eine Moschee zieht ja wohl wie ein Magnet weitere Muslime an", wetterte der Bewohnerverein des Stadtteils Jungbusch vor drei Jahren.

Andere erschauerten bei dem Gedanken an die bevorstehende Überfremdung und sahen die deutsche Sonne durch den islamischen Halbmond verdunkelt - schon damals lebten mehr als fünfzig Prozent Ausländer im Hafenviertel am Rande der Innenstadt.

Und überhaupt, was wäre, wenn das Minarett am Ende den Kirchturm der benachbarten Liebfrauenkirche überrage? Sei nicht gar mit einer fundamentalistischen Brutstätte des Islam mitten in Mannheim zu rechnen?

Die Angst vorm Fremden saß tief, und noch heute blicken viele mißtrauisch auf die Yavus Sultan Selim Moschee, die vom Stein des Anstoßes zum steingewordenen Symbol eines neuen Selbstbewußtseins für 18 000 Mannheimer Türken geworden ist. Rechtzeitig zum Ramadan, der dieses Jahr am 1. Februar beginnt, werden rund 2500 Muslime in Deutschlands größter Moschee ihre Gebetsteppiche Richtung Mekka ausrollen. Dem Fastenmonat folgt traditionell ein großes Fest und gleichzeitig die offizielle Einweihung des zehn Millionen Mark teuren Kuppelbaus. Eine holländisch-deutsch-türkische Architektengruppe hat das islamische Gotteshaus entworfen. Die Türken lieferten die Vorbilder, die Deutschen paßten ans Baurecht an, und die Holländer brachten ihre Erfahrung ein, weil sie in den Niederlanden schon einige Moscheen gebaut haben. Entstanden ist ein Rundbau mit zwei Seitenflügeln, die neben vier Wohnungen drei Versammlungsräume und sechs Geschäftsräume beherbergen. Überragt wird die nach arabischem Muster gestaltete Moschee von einem 32 Meter hohen Minarett - halb so hoch wie der benachbarte Kirchturm. Innen sprudelt ein Marmorbrunnen im rituellen Waschraum. Imponierend öffnet sich auf 1500 Quadratmetern dahinter der runde Gebetssaal mit Galerie, über dem sich eine mit kunstvollen kalligraphischen Arbeiten geschmückte Kuppel erhebt.

Rund dreißig offizielle Moscheen gibt es in Deutschland, wie viele Lagerhallen und Hinterhofgebäude zum Beten umfunktioniert sind, ist unbekannt. Auch die Bauherren der Mannheimer Moschee - der Islamische Bund zählt rund 600 eingetragene Mitglieder - zelebrierten ihren Glauben zwanzig Jahre lang in einem Hinterhaus. Die Stimme des Imam krächzte über Lautsprecher in den einzelnen Räumen - streng getrennt nach Männern und Frauen. Das Haus liegt im Sanierungsgebiet und soll nach dem Auszug entkernt werden, sobald Allah in seine neuen Räume umgezogen ist. Hier wird der Imam vom hellmarmornen Mihrap - der Kanzel - zu den Gläubigen sprechen. Und dieser vom türkischen Amt für Religionsangelegenheiten bezahlte Geistliche wird auch die Koranschule leiten, die die türkischen Kinder an den wahren Glauben heran- und von der Straße herunterholen soll.

Und nun wird ängstlich gefragt, welcher Geist hier wohl gepredigt werden wird? Der Islamische Bund zeigt sich gesprächsbereit: Gerne würde man auf die Koranschule verzichten, nur sollte dann islamische Religion an der Schule gelehrt werden, so wie in Nordrhein-Westfalen geplant. Dieser Vorstoß, ebenso wie der Wunsch, der Muezzin möge doch zum Gebet rufen dürfen, wird wieder Diskussionen auslösen in Mannheim, das sich gerne aufgeschlossen zeigt und dessen Bürger sich teilweise doch vor dem Fremden verschließen.

Trotz der Unkenrufe hat sich aber ein christlich-islamischer Gesprächskreis gebildet, der Vorurteile abbauen will und den Austausch der Religionen sucht. Politische und religiöse Größen machten vor, was an der Basis noch Probleme bereitet: Mannheims Oberbürgermeister Gerhard Widder stellte die politischen Weichen, der türkische Generalkonsul Murat Ogus wohnte zusammen mit dem türkischen Religionsattaché Osman Gürsoy dem Richtfest bei. Landesbischof Klaus Engelhardt besichtigte im vergangenen Jahr zum Symboltag der europäischen Kirchen gegen Ausländerfeindlichkeit den Rohbau und predigte Verständigung. Und die scheint auch nötig, um die Bürgerinitiative "Rettet den Jungbusch" und eine Eigentümergemeinschaft, die wegen des Wertverlusts ihrer Wohnungen prozessieren wollte, zu befriedigen.