Wer hat in Deutschland die ersten Graffiti gesprüht? Viel spricht dafür, daß es der Hamburger Peter-Ernst Eiffe war - im wilden Mai 1968. Ein Film erinnert an ihnSeite 3/3
Er setzte zu einem letzten Höhenflug an. Auf der Aussichtsplattform des Turms der Sankt-Michaelis-Kirche verewigte er sich mit dem Reim: "Kein Hammer, keine Sichel, nur Eiffes Hand auf Hamburgs Michel!" Als ihm die Hamburger Hochbahn eine Rechnung über 900 Mark für die Beseitigung der von ihm verursachten Graffiti ins Haus sandte, antwortete er mit einer Gegenrechnung: Er stellte der Bahn 900 Mark für die "Verschönerung ihrer Abteile" in Rechnung.
Nach der Zwangspsychiatrisierung wurde es um Eiffe still. Zwar dachten die antiautoritären Gesinnungsfreunde anfangs noch über eine Eiffe-Befreiungsaktion nach: Medizinstudenten in weißen Kitteln sollten ihn heimlich aus der Klinik herausschleusen. Aber inzwischen hatte sich der Wind im Lande gedreht. Der Frühling der Anarchie war schon Ende Mai 1968 zu Ende. Die Spaßguerilla kapitulierte vor dem Ernst der Lage. In den Studentenverbänden bekamen die Kader maoistischer, trotzkistischer und stalinistischer Richtung das Sagen. Eiffes Zeitalter war nach genau siebzehn Tagen vorüber, ziemlich genausolang wie der legendäre Pariser Mai.
- Datum 17.03.1995 - 13:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 12/1995
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