Alles zammgfressaSeite 3/3

Nach Georg Hinterstoißer dürfen einfach so viele Rehe dasein, "daß 's paßt, daß 's Wild was hat und daß der Wald wachst". Die Jäger hören bei dieser Forderung sofort die Aufforderung, gleich alles auszurotten. Beistand finden sie bei allen Bambi-Freunden, und das sind nicht wenige. Als hätte er längst alle Hoffnung fahrenlassen, sagt Minister Bocklet: "Die Wälder können sich nur selbst verjüngen, wenn die Jäger mitmachen." Niemand rügt, daß die Abschußpläne vielerorts nicht erfüllt werden. Im Bayerischen Jagdgesetz steht: "Mit bis zu 10 000 Mark Geldbuße kann belegt werden, wer den Abschußplan nicht erfüllt." In der Praxis wird das oft damit entschuldigt, daß "nicht genügend Wild da war".

So kommt Hinterstoißer buchstäblich auf keinen grünen Zweig. Nicht weniger als vier wissenschaftliche Gutachten, ein Landtagsbeschluß und der Bayerische Verwaltungsgerichtshof geben ihm und seinem Nachbarn Andreas Seiwald im Kleinkrieg um die nötigen Abschüsse recht und bestätigen, daß der Wildverbiß ein unerträglicher Eingriff in das Eigentum sei. Vier Naturschutzverbände unterstützen den Kämpfer gegen "die Herren der Wälder" - sonst wäre er finanziell längst zur Strecke gebracht worden. Alle bayerischen Ministerpräsidenten, zuletzt Max Streibl, sind gern auf die Jagd gegangen. Infolgedessen waren der Freistaat und die organisierte Jägerschaft nicht leicht auseinanderzuhalten. Denn die Privilegien der bequemen Trophäenjagd wollte niemand gerne aufgeben. So kam es, daß Bayern gegen das Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes Berufung einlegte.

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Warum Georg Hinterstoißer nicht selbst zur Büchse greift, um die allzu vielen Fresser zu dezimieren? "Ganze zwei Rehe hätte ich schießen dürfen", sagt er. "Aber damit kann ich meinem Wald ja überhaupt nicht helfen." Als sein Fall im Herbst 1994 in ganz Bayern diskutiert wurde, haben ihm die Pächter angeboten, zwölf Stück Rehwild zu schießen. Eine Offerte, die Hinterstoißer als Schwarzen Peter zurückwies, weil das "an der Waldsituation überhaupt nichts ändert, wenn nicht alle gemeinsam dazu beitragen, das erforderliche Abschußsoll im gesamten Revier zu erfüllen".

Ein notorischer Quertreiber ist Hinterstoißer nicht. Der Unmut unter den 400 000 Waldbesitzern, die sich jahrzehntelang mit einem jährlichen Jagdessen haben abspeisen lassen, wächst. Warum trotzdem keiner mit dem Mann vom Schneewinklhof auf die Barrikaden steigt? Weil der Wald immer weniger wert und es eine Knochenarbeit ist, das Holz vom Berg herunterzuschaffen. Anders als ein Maisacker wirft ein Wald keine kurzfristige Rendite ab.

In Berlin steht einiges auf dem Spiel, für die Jäger, für den Freistaat Bayern. Für Georg Hinterstoißer und viele stille Waldbauern geht es um die Existenz. Daß vernunftbegabte Wesen mit einer ihrer Lebensgrundlagen so leichtfertig umgehen können, will ihm partout nicht in den Schädel.

 
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