Die Forderung nach sparsameren Automobilen ist populär. Umwelt- und Verbraucherverbände, Gewerkschaften und Politiker fordern seit langem von der Industrie das Dreiliter-Auto. Selbst der Bundeskanzler mahnte wenigstens ein Fünfliter-Auto an. Dabei gibt es das gewünschte Sparauto längst zu kaufen. Seit Herbst 1993 bietet Volkswagen den Golf Ecomatic an, ein zukunftsweisendes Vehikel mit Schwungnutzautomatik, das weniger als fünf Liter auf hundert Kilometer verbraucht.

Die Freude über dieses Fahrzeug sollte daher groß sein, liegt doch der Flottenverbrauch aller deutschen Automobile zur Zeit bei 9,7 Liter auf hundert Kilometer. Und er müßte - vorsichtig geschätzt - auf etwa vier Liter gesenkt werden, wollte die Bundesregierung ihr Versprechen einer Reduzierung des C02-Ausstoßes von 25 Prozent bis zum Stichjahr 2005 erreichen.

Doch der Markterfolg des Öko-Golfs blieb aus. In Deutschland wurden bislang kaum 3000 zugelassen, der Mißerfolg ist längst ein offenes Geheimnis. Im vergangenen Herbst klassifizierte auto, motor und sport den Golf Ecomatic als "Ladenhüter" und setzte ihn auf Platz drei seiner "Flopliste". In einem früheren Bericht urteilte das Blatt: "In seiner jetzigen Form erfordert der Golf Ecomatic einfach zu viel Mitdenken" und fügte wenig werbewirksam hinzu: "Er ist eines der gewöhnungsbedürftigsten Autos überhaupt".

Das liegt an der sogenannten Schwungnutzautomatik. Dieses innovative Herzstück des 64 PS starken Wagens schaltet den Motor immer dann ab, wenn er nicht gebraucht wird. Ein ebenso einfacher wie genialer Gedanke - Fahrradfahrer treten ja auch nicht in die Pedale, wenn es bergab geht oder sie vor einer Ampel warten. Mit der Schwungausnutzung kann der Verbrauch des ansonsten ganz normalen Diesel-Golfs auf der Landstraße sogar auf magische drei Liter sinken. Und unter realistischen Bedingungen sind fünf Liter für hundert Kilometer leicht zu schaffen.

Die Fahrer und Fahrerinnen des 27 000 Mark teuren Gefährts müssen sich allerdings umstellen. So startet beim Ecomatic der Motor automatisch durch Tippen aufs Gaspedal. Und geschaltet wird ohne Kupplungspedal, auch das Kuppeln übernimmt eine Automatik. Trotz dieses Komforts gerieten selbst im Volkswagenwerk die ersten Kundentestfahrer beinahe in Panik, als sie bemerkten, daß der Motor plötzlich nicht mehr läuft. Der Motor sei nun einmal das Herz eines Autos, weiß Karl-Heinz Keller, der bei VW für das Marketing neuer Produkte zuständig ist. "Und bei einem nicht schlagenden Herz sträubt sich einem Automobilisten irgend etwas innerlich."

Der Golf mit Schwungnutzautomatik fuhr daher bei VW mit wenig Fortune zunächst jahrelang zwischen Forschung und Entwicklung hin und her. Erst als Ende der achtziger Jahre mit den neuen Vorstandsmitgliedern Daniel Goeudevert und Ulrich Steger umweltpolitische Ambitionen in die Konzernzentrale einzogen, mangelte es nicht mehr an der notwendigen Fürsprache. Die Serienfreigabe für den Ecomatic wurde mutig erteilt, um das Sparauto rechtzeitig zur Internationalen Automobilausstellung 1993 zeigen zu können.

Mit den neuen Vorständlern Ferdinand Piëch und Ignacio López meldeten sich jedoch die alten Zweifler zurück. Da stand der Ecomatic allerdings in Gestalt des neuen Golf III schon zur Auslieferung an die Händler bereit. Zwar hatten die Promotoren des Ecomatic in Wolfsburg ein feines und kompliziertes Unterstützernetzwerk von der Forschung über die Entwicklung bis zur Produktion geknüpft, doch für den Vertrieb hatte es offenbar nicht mehr gereicht. Als Konzernchef Ferdinand Piëch im Sommer 1994 in großen Anzeigen darüber informierte, wie Volkswagen seinen Weg fortzusetzen gedenke, referierte er zwar viel über Umweltschutz und das Dreiliter-Auto und rückte viele Modellneuheiten ins rechte Licht - den Golf Ecomatic erwähnte er indes mit keiner Silbe. Auch wurde der Öko-Golf weder durch ein offensives Werbekonzept noch durch einen attraktiven Einstiegspreis gefördert.