Man kann die Frage so stellen: Warum soll eigentlich der Staat die Landwirtschaft vor Wechselkursrisiken schützen? Schließlich müssen alle anderen Wirtschaftsbranchen schauen, wie sie mit dem Problem zurechtkommen. Aber auch das ist eine berechtigte Frage: Kann man den deutschen Bauern zumuten, daß ihr Einkommen bei jeder Aufwertung der Mark schrumpft? Irgendwann wird es verdammt knapp, wenn die Exporte wegbrechen und dann auch noch die Zahlungen aus Brüssel weniger werden.

Eine Antwort muß schnell gefunden werden. Denn die Kommission der Europäischen Union erklärt, sie könne bestimmte Währungsverluste für Bauern mangels Masse nicht mehr absichern. Brüssel rechnet in Ecu, und je stärker die Mark wird, desto mehr Ecu gehen drauf, wenn konstante Mark-Beträge ausbezahlt werden. Konkret geht es in diesen Tagen um Tier- und Flächenprämien. Wenn die deutschen Landwirte sie in gewohnter Höhe erhalten sollen, dann kostet das den EU-Haushalt nach den Währungsschwankungen der vergangenen Wochen eine Milliarde Ecu mehr als vorgesehen, immerhin fast zwei Milliarden Mark.

Unmöglich, sagt Agrarkommissar Franz Fischler, das Geld sei nicht da. Ungeheuerlich, hält ihm Bundeslandwirtschaftsminister Jochen Borchert entgegen, Brüssel werde wortbrüchig. Im Bundestag bekam der CDU-Minister Unterstützung von allen Parteien. Die Brüsseler Kommission steht mehrheitlich hinter dem Österreicher Fischler. Und nun?

Zunächst einmal: Bauern können - anders als Industrieunternehmen - ihre Produktion nicht ins billigere Ausland verlegen. Steigern sie aber einfach die bestehende Produktion, verstoßen sie gegen die europäischen Spielregeln. Bauen sie indes weniger an und kassieren dafür Prämien, dann müssen sie auch mit den zugesagten Beträgen rechnen können. Es mag paradox klingen, aber gerade von einem System administrierter Preise und vorgeschriebener Mengen muß man verlangen, daß es verläßlich ist. Wo der Markt abgeschafft ist, kann es auch keine marktgerechte Reaktion geben.

Das Kursproblem ist so alt wie der gemeinsame Agrarmarkt, die regelmäßigen Rangeleien um die Grenzausgleichsabgaben sind noch in schlechter Erinnerung. Natürlich müssen dauerhafte Wechselkursverschiebungen irgendwann auch auf Preise und Prämien durchschlagen. Aber von heute auf morgen ist das für die Bauern nicht zumutbar. Das gilt um so mehr, als in den Ländern mit schwacher Währung wie Italien und Spanien die Bauern mit einem satten Abwertungszuschlag bedacht werden. Dafür gibt es nun wirklich keine andere Begründung als die Absurdität des Systems.

Ein Mindestmaß an Verläßlichkeit können die Landwirte von der EU verlangen. Brüssel muß sich überlegen, ob Prämien nicht in nationalen Währungen festgesetzt werden können, um den unmittelbaren Einfluß von Währungskrisen auf die Einkommen der Bauern auszuschalten. Und langsam sollte es sich auch herumsprechen, daß es nur ein sicheres Mittel gegen das Übel gibt: eine einheitliche europäische Währung. Erst wenn der Ecu nicht mehr hin- und hergerechnet wird, sondern die europäische Währung ist, sind Wechselkurse kein Argument mehr in der Agrarpolitik.