Es ist gerade einmal anderthalb Jahre her, da gerierte sich die Modebranche wie eine ökologische Gemeinde. Der Öko-Look war in, Natur pur galt als ultimativer Trend. Deutsche Modemacher kreierten Pullis aus "eco-cotton", die Jeans waren "bio-washed", auf den T-Shirts stand "Save the earth now". Leinenröcke sollten nach dem Willen der Designer nicht mehr gefärbt, Baumwollblusen nicht mehr gebleicht werden. Alles Grelle, Synthetische war tabu. Brancheninsider zählten auf dem deutschen Markt 200 Kollektionen, die mit irgendwelchen firmeninternen Öko-Labels ausgestattet waren.

Es blieb nicht nur beim Trend in der Mode. Weil schrille Farben und High-Tech-Fasern unmodern waren, konnte man sich auf sanftere Veredlungsmethoden besinnen. Wolle und Seide wurden schon mal mit Pflanzenfarbstoffen gefärbt, ökologisch angebautes Leinen fand Abnehmer, und pestizidfreie Baumwolle war Mangelware auf dem Markt. Für viele Ökologen war das der verheißungsvolle Anfang einer umweltverträglicheren Textilproduktion.

Inzwischen ist Natur pur passé. Nun, so wollen es die Modemacher, soll sich das Outfit der Frauen wieder radikal verändern. "Die Mode wird ausgesprochen feminin", sagt Gabriele Strehle, Designerin der noblen Modemarke Strenesse. Naturfarben sind nicht mehr gefragt, schlichte, schnörkellose Formen schon gar nicht. Beine und Busen sollen wieder gezeigt werden, Glitzer und Glamour verlassen den Rotlicht-Bezirk, der Schlabber-Look ist endgültig out. Sexy, transparent, hauteng sollen die Outfits bald wieder sein. Und die Farbe feiert ihr Comeback.

Ökologisch orientierte Bekleidungshersteller stürzt diese Kehrtwende in schiere Depression. "Ich finde es furchtbar, daß mit diesem Modewechsel die Öko-Bekleidung zu einem Trend degradiert wird", sagt Britta Steilmann, die sich mit ihrer Kollektion "It's one world" für eine umweltschonendere Bekleidungsproduktion einsetzt. Ökologisch gesehen sei der Trend "einfach katastrophal". Plötzlich werden Chemiefasern mit einem ausgesprochenen Plastik-Appeal wieder salonfähig, weil in der jungen Mode der Space-Look propagiert wird. Plötzlich kommen Lack und Kunstleder wieder ins Gespräch, problematische Fasern wie Cupro, umstrittene Materialien wie Teflon drängen mit Macht auf den Bekleidungsmarkt. Kurzum: Kein Designer fragt nach der ökologischen Vertretbarkeit seiner Kollektion.

Bestes Beispiel ist Cupro: Cupro ist wie Viskose eine Zellulosefaser. In den Nachkriegsjahren war diese Kupferseide, auch Cupresa genannt, sehr begehrt bei Kleidern, Röcken, Blusen, weil die Drucke so wunderschön brillant erschienen und weil sich Cupro problemlos pflegen läßt. Trotzdem wurde es mit den Jahren ruhig um diese Faser, sie verschwand Anfang der siebziger Jahre fast lautlos vom Markt. Warum? Immer neue, raffiniertere Chemiefasern konkurrierten mit den herkömmlichen Fasern. Und dann gab es auch ökologische Bedenken gegen Cupro. Denn bei der Herstellung der Kupferseide wird Kupfer, genauer gesagt Kupferoxid-Ammoniak, als Lösungsmittel verwendet. Kupfer-Ionen gelangen ins Abwasser und stören das ökologische Gleichgewicht, denn Kupfer ist ein starkes Gift für alle niederen Pflanzen wie Algen und Kleinpilze. Aus dem Abwasser herausfiltern kann man dieses Metall nicht. "Es gibt gegen kupferhaltige Substanzen keine ausreichende Abwasserreinigung", weiß Hans-Karl Rouette, Dozent für Textilveredlung an der Fachhochschule Niederrhein.

Für Eugen Korte, leitender Chemiker beim österreichischen Blusen- und Hemdenstoffspezialisten Fussenegger, ist die Cupro-Renaissance eine "Riesensauerei". Seit vier Jahren wird der Stoff wieder vermehrt angeboten, meist kommt er aus Korea oder Italien. Deutsche Bekleidungshersteller haben jetzt Röcke, Blusen und Pyjamas aus Cupro schneidern lassen. Fragt man die Hersteller nach der Umweltbelastung, zucken sie mit den Schultern: "Der Handel will die Faser. Wenn wir sie nicht anbieten, kauft er bei der Konkurrenz", heißt es dann. Das Geschäft mit der umweltschonenderen Zellulosefaser Tencel läuft hingegen nur schleppend an.

Alles andere als schleppend verkauft sich Teflon. Adidas wirbt für den neuen Schwimmanzug mit Teflon-Beschichtung, der weniger Wasserwiderstand und mehr Gleitfähigkeit garantiert. Der schwedische Handelsriese Hennes & Mauritz hat Teflon-Anzüge schon in großen Mengen verkauft. Die schwer angeschlagene Lederindustrie versucht, mit teflonbeschichtetem Leder den Umsatz zu steigern. Und auch Wolle, deren Preis in der letzten Saison verfiel, soll mit dieser Kunststoff-Beschichtung neue Marktanteile gewinnen. "Teflon ist ein hervorragender Gewebeschutz", schwärmt Rainer Schoner, Leiter des Textilforschungsinstituts Bielefeld, "denn Teflon ist nicht nur wasser- und schmutzabweisend, sondern auch waschbeständig."