Explosive Schafe

Schafe und Ziegen können offenbar den Sprengstoff TNT verdauen. Im Magen von Tieren, die in der Nähe von Munitionsfabriken weideten, entdeckte der amerikanische Wissenschaftler Morrie Craig von der Staatsuniversität von Oregon jedenfalls Bakterien, die die Chemikalie mit dem wissenschaftlichen Namen Trinitrotoluol verarbeiteten. Noch weiß Craig nicht, ob er die Eigenschaften nutzbringend vermarkten kann. Für vier andere Bakterienarten aus Schafsmägen hat er dagegen bereits Verwendung. Sie verdauen nämlich ein Alkaloid aus einem eingeschleppten Unkraut, das in den Vereinigten Staaten Kühe und Pferde vergiftet. Als Morrie Craig zehn Kühen die Mikroorganismen aus den Schafen einflößte, verdauten die Rinder plötzlich das giftige Kraut ebenso problemlos wie die Schafe (New Scientist, Bd. 146, Heft 1977, S. 9). Auch im Magen von Grönlandwalen wurde der Amerikaner bei der Suche nach ungewöhnlichen Bakterien fündig. Dort entdeckte er Arten, die krebserregende Kohlenwasserstoffe wie Naphthalin, Anthracen und Polychlorierte Biphenyle (PCB) abbauen. Die Fähigkeit der Mikroben erklärt nicht nur, warum Grönlandwale erstaunlich hohe Mengen dieser Substanzen problemlos verkraften. Sie könnten auch helfen, Erdöl abzubauen, das nach Tankerunfällen in den Sand oder zwischen Felsen gesickert ist.

Die Karpfen sind los!

Europäische Karpfen haben sich in Australien zur Plage ausgewachsen. Seit sie jetzt auch in den Gewässern der südlich gelegenen Insel Tasmanien gefunden wurden, ist dort eine wahre Karpfenpanik ausgebrochen. Denn die ursprünglich aus Europa eingeführten Fische verdrängen rigoros Forellen und andere Spezies. "Karpfen sind die Kaninchen der Gewässer geworden", warnt bereits der Ökologe John Kohn aus Victoria. Obwohl gesicherte wissenschaftliche Kenntnisse über die Verbreitung der Karpfen noch fehlen, werden bereits drastische Maßnahmen erwogen. Diese reichen von dem Vorschlag, Seen teilweise leerzupumpen und die Karpfen zu vergiften, bis hin zu der Idee, spezielle Viren in den Gewässern auszusetzen, die die Karpfen angreifen sollen. Vorerst versuchen die Fischer jedoch erst einmal, mit speziellem Fanggerät der Plage Herr zu werden (New Scientist, Heft 1977, S. 6).

Kritik an Thermoselect

Der Bau mehrerer Thermoselect-Anlagen ist zum jetzigen Zeitpunkt "unter Umwelt- und Kostengesichtspunkten nicht akzeptabel". Zu diesem Resümee kommt die Bund-Länder-Arbeitsgruppe "Neue Thermische Behandlungsverfahren" in einer bislang noch nicht veröffentlichten Stellungnahme zum Thermoselect-Verfahren. Begründet wird das Votum, das Thermoselect-Italien wie Gesellschafter Badenwerk verärgert, mit dem "derzeitigen Erprobungsstand" der Anlage, der aus Sicht der Arbeitsgruppe noch viele Fragen offenläßt (siehe auch ZEIT Nr. 15/95). Zwar wird dem Thermoselect-Verfahren die "prinzipielle Funktionstüchtigkeit" attestiert, nun müsse sich die Technik aber über einen längeren Zeitraum bewähren, fordert die Arbeitsgruppe. In einer großtechnischen Demonstrationsanlage sollten daher "Optimierungs-, Ertüchtigungs- und Nachrüstmaßnahmen" vorgenommen werden. Sollte die großtechnische Realisierung scheitern, müsse vorher geklärt werden, wie die "funktionsuntüchtige Anlage abgerissen und entsorgt wird und wer die Kosten dafür trägt". Doch selbst wenn Thermoselect oder deren Gesellschafter die Kosten übernähme, bliebe es bei der Empfehlung: Der Bau einer einzigen Anlage ist sinnvoll und nicht der Versuch, an möglichst vielen Orten parallel zu bauen.