Der Deutsche Aktienindex (Dax) tut sich schwer, die psychologisch bedeutsame Marke von 2100 nachhaltig zu überspringen. Obwohl sich die Belastungen des Aktienmarktes durch die abgeklungenen Währungsunruhen minderten und die Zinsen bei den festverzinslichen Papieren noch Spielraum nach unten besitzen, haben viele Anleger bei steigenden Kursen Kasse gemacht und Gewinne realisiert.

Betrübt sind die Börsianer insbesondere darüber, daß die in diesen Tagen an die Aktionäre fließenden Dividendenmilliarden offenbar kaum genutzt werden, um neue Aktien hinzuzukaufen. Aber das ist zum Teil durchaus verständlich. Wenn die Experten der Kreditinstitute dem Dax für die nächsten zwölf Monate nur ein Steigerungspotential von zehn bis fünfzehn Prozent zubilligen, darf sich niemand wundern, wenn Aktien nur zögerlich gekauft werden. Eine solche Marge, besonders wenn sie noch mit vollen Spesen belastet ist, rechtfertigt das mit dem Aktienkauf verbundene Risiko kaum. Dies um so weniger, als es Chart-Gläubige gibt, die den Dax in den nächsten Monaten noch einmal unter 1900 fallen sehen.

Enttäuscht sind die Börsianer auch darüber, daß von den Hauptversammlungen der Großbanken für die Finanztitel keinerlei Anregungen ausgegangen sind. Das liegt hauptsächlich an den überwiegend enttäuschenden Betriebsergebnissen für das erste Quartal 1995, die meist hinter denen der Vergleichszeit des Vorjahres zurückgeblieben sind. Dies wiegt offensichtlich schwerer als der Optimismus, mit denen die Bankvorstände das Gesamtjahr 1995 beurteilen. Es gibt Wertpapierexperten, die ihre Gewinnschätzungen, insbesondere für 1996, nach unten revidieren.

Auch auf anderen Marktgebieten stellen die zurückgenommenen Gewinnerwartungen für die gegenwärtige Kursentwicklung eine schwere Hypothek dar. Bei Daimler haben sich die Ertragsschätzungen für 1995 halbiert. Weniger hart wurden die Erwartungen für VW gedämpft. Gleichwohl konnten sich Autoaktien in der jüngeren Vergangenheit relativ gut behaupten, sie sind Nutznießer der sich abschwächenden Mark.

Überdurchschnittlich lebhaft waren die Umsätze zeitweise in den sogenannten "Trümmeraktien" der Metallgesellschaft und von KHD. Beide haben sich von ihren Tiefstkursen deutlich erholt. An den Käufen, so berichten die Banken, waren vornehmlich risikobereite private Kunden beteiligt, die sich durch die optisch niedrigen Kurse dazu verführen ließen, ein Engagement zu wagen. Dank der bei beiden Gesellschaften von den Banken aufgespannten Schirme sind Totalverluste schwer denkbar.