Als erste Uraufführung in seinem eigenen Theater wird Hochhuth sein neuestes Stück "Schmuggler in Pullach" inszenieren. Wie in einem aus seinem Arbeitszimmer herausgeschleusten Manuskript zu lesen ist, handelt es sich um einen echten Hochhuth, denn er greift auch hier wieder ein hochaktuelles, brisantes Thema auf.

Machte er in seinem letzten Bühnenwerk "Wessis in Weimar" die Treuhand zum Ziel seiner beißenden Polemik, so handelt es sich bei seinen "Schmugglern" um eine derbe Kritik an unserem Geheimdienst. Schonungslos entlarvt Hochhuth den BND als Schmugglerbande.

Wie es sich für einen echten Hochhuth gehört, läßt er auch in diesem neuen Werk seiner überschäumenden Phantasie die Zügel schießen und strapaziert das Vertrauen der Zuschauer in seine Glaubwürdigkeit bis zum äußersten.

Allein schon der aberwitzige Einfall, ausgerechnet der BND sei in eine Plutoniumschmuggelaffäre zwischen Moskau und München verstrickt, ist eine freche Zumutung. Auch taucht bei ihm ein völlig unglaubhafter V-Mann namens Roberto (Typ Mario Adorf) auf, eine reine Schreibtischerfindung wie sein Geheimdienstkoordinator Schmecksauer, dem eigentlichen Drahtzieher des Deals, der in seiner Tapsigkeit schließlich die ganze Sache auffliegen läßt.

Eines muß man Hochhuth immerhin lassen: er versteht sein dramaturgisches Handwerk. Das beweist er etwa in der urkomischen Flugzeug-Szene. Da zeigt er nämlich sehr spaßig, wie der Koffer mit seinem gefährlichen Inhalt, zum Entsetzen der Schmuggler, einem Passagier beinahe auf den Kopf fällt, ja, wie es fast zu einer Kofferverwechslung kommt.

Wenn Hochhuth dann aber seinen Zuschauern das Schauermärchen auftischt, der BND habe für seine brisante Ware sage und schreibe 276 Millionen Dollar geblecht, geht ihm leider endgültig der Pegasus durch.

Um das Maß voll zu machen, stellt Hochhuth in sattsam bekannter Manier den BND auch noch als eine Bande Krimineller dar, die Verbrechen selbst inszenieren, zum Beweis der eigenen Unentbehrlichkeit. Weil das ganze Stück aber nichts weiter als eine Kopfgeburt seines Autors ist, sieht man beim BND, dem natürlich längst ein Manuskript zugestellt wurde, der Premiere dieses Machwerks gelassen entgegen.