MC LEAN, VIRGINIA. - Mit dem Scheitern der amerikanisch-japanischen Handelsgespräche naht die Stunde der Wirtschaftsnationalisten. Die Forderungen an die Japaner, ihre Märkte für mehr Autos zu öffnen, sind rüde zurückgewiesen worden. Japans Verhandlungsführer hat uns praktisch herausgefordert, Sanktionen zu ergreifen.

Wir werden euch vor die Welthandelsorganisation zerren, warnt Tokio. Dort werden wir euch als ein Land brandmarken, das jene Freihandelsprinzipien verletzt, die ihr einst so lautstark gepredigt habt - und das vor einem internationalen Tribunal, das ihr selbst mitbegründet habt.

Erboste Clintonianer wollen, wie zu hören ist, Zölle von hundert Prozent auf japanische Importe im Wert von einer Milliarde US-Dollar erheben. Das wäre jedoch kaum mehr als ein paar Schläge auf das japanische Hinterteil.

Die Republikaner sollten härtere Sanktionen verlangen. Seit 1970 haben die Japaner 400 000 amerikanische Autos gekauft. Im gleichen Zeitraum verkauften sie uns 40 Millionen Autos. Während die japanische Handelsbilanz ein jährliches Plus von 150 Milliarden US-Dollar aufweist, hat unser Handelsbilanzdefizit eine Höhe von 166 Milliarden Dollar erreicht. Parallel zu diesem beträchtlichen Transfer amerikanischen Wohlstands nach Asien investierten wir sechs Prozent unseres Bruttosozialprodukts in die Verteidigung, während die Japaner ihren Rüstungsanteil unter der Einprozentmarke hielten. Was soll Amerika jetzt, da Japan Clinton mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen hat, tun?

Die amerikanischen Freihandelsideologen stehen Schulter an Schulter mit den Japanern. Handelsdefizite kümmern sie nicht. Und in der Tat: Die amerikanischen Konsumenten, die mit billigen Dollar japanische Qualitätsprodukte kaufen können, dürfen sich ja auch als Gewinner fühlen. Aber so wie unser Anteil am Weltinlandsprodukt gefallen ist, sind auch die Realeinkommen der Amerikaner gesunken, die mit ihren Händen, mit Werkzeugen und Maschinen arbeiten - um zwanzig Prozent in zwanzig Jahren. Die neue Wirtschaft zweiter Klasse offenbart sich in vielerlei Hinsicht: Akademiker mit abgeschlossenem Studium ziehen wieder nach Hause, um bei ihren Eltern zu leben. Mütter geben ihre Kinder in Tagesstätten, um Jobs annehmen zu können, weil andernfalls der Lebensstandard der Familie nicht mehr zu halten wäre.

Die japanischen Verhandlungsführer bleiben hart, weil sie keine Ideologen sind. Sie sind Wirtschaftsnationalisten, die sich zuallererst an Japans Interessen orientieren. Warum sollten sie sich ändern? Warum sollten sie sich von ihrer protektionistischen Politik, die ihnen jahrelang Erfolg gebracht hat, verabschieden und dafür eine Handelspolitik nach amerikanischem Muster übernehmen, die sich äußerst negativ für unser Land ausgewirkt hat?

Die japanischen Unterhändler dürften jenen Amerikanern, die ihnen Vorträge über den Freihandel halten, eine gewisse Verachtung entgegenbringen. Viele von ihnen landen ohnehin als Washingtoner Lobbyisten auf Tokios Gehaltsliste und plappern die japanischen Argumente nach. Aber der Durchschnittsbürger in Amerika beginnt die Geduld zu verlieren. Selbst Journalisten aus dem Establishment schreiben mittlerweile, daß wir zum Narren gehalten werden.