Trauer trieb Johannes Paul II. die Tränen in die Augen, als er am Montag über die tschechische Grenze für ein paar Stunden in seine polnische Heimat kam. Doch muß er es nicht sich selbst zuschreiben, daß Schatten des Widerspruchs über seiner Reise lagen?

Gewiß, in Olmütz hatte er so konkret wie noch kein Papst zuvor "im Namen aller Katholiken" um Vergebung für das Unrecht gebeten, das Nichtkatholiken in der "turbulenten Geschichte" der Religionskriege widerfuhr. Getrübt wurde der Geist dieser Geste durch ihren Anlaß: Gegen schwere Bedenken aus den Kirchen der Reformation bestand der Papst auf der Heiligsprechung jenes Jan Sarkander, der 1620 zu Tode gefoltert worden war, doch bis heute für viele protestantische Christen eine Symbolfigur gewaltsamer Katholisierung ist.

So gerät auch die Neuevangelisierung, die der polnische Pontifex im postkommunistischen Osten predigt, in altes Zwielicht. Trotz des Jubels für ihn muß er jetzt sogar polnische Kirchenmüdigkeit beklagen. In Skoczów wurde sein Ruf nach Toleranz zur fast nostalgischen Forderung nach Einfluß. So verdecken eben manche Pflaster die Wunden nur, anstatt sie zu heilen.