Jürgen Bauerreiß ist nicht zimperlich, wenn es darum geht, den eigenen Erfolg kräftig herauszustreichen. "Sensationell" sei das Projekt bisher gelaufen, sagt der Geschäftsführer der Nürnberger Personalberatungsfirma PM. Schließlich habe man mit dem "Gruppen-outplacement" gewissermaßen Neuland betreten.

Daß überflüssig gewordene Führungskräfte vor dem abrupten Sturz in die Arbeitslosigkeit bewahrt werden, indem spezialisierte Personalberater ihnen im Auftrag ihres alten Arbeitgebers bei der Stellensuche behilflich sind - im Branchenjargon nennt sich das dann vornehm outplacement -, ist inzwischen nichts Ungewöhnliches mehr. Aber daß gleich eine ganze Belegschaft mit 150 Leuten, wie im Falle der VP Schickedanz, weitervermittelt wird, das ist nach Jürgen Bauerreiß' Einschätzung doch ein absolutes Novum.

Ausgelöst wurde die Aktion durch den Verkauf der Vereinigten Papierwerke Schickedanz (Tempo) von der Schickedanz-Gruppe (Quelle-Versand, Noris-Verbraucherbank) an den Markenartikler Procter& Gamble (Ariel, Pampers). Die deutsche Tochter des US-Konzerns zögerte denn auch nicht lange und verlegte die Verwaltung des Papierunternehmens an ihren Sitz ins hessische Schwalbach.

Die meisten der ehemaligen Beschäftigten der VP-Zentrale in Nürnberg mochten den Umzug nicht mitmachen oder bekamen keinen adäquaten Arbeitsplatz in Schwalbach geboten. Doch die sonst eher für wenig zimperliche Managementmethoden bekannten Amerikaner wollten sich offenbar nichts nachsagen lassen. Sie schalteten die Berater von PM ein, um die Mitarbeiter weiterzuvermitteln.

Bislang liegt freilich nur eine Zwischenbilanz der Aktion vor, die Anfang März gestartet wurde und noch bis Ende Juni laufen soll: Danach wurde ein Katalog mit 170 Einzelprofilen der überflüssigen Tempo-Leute (einige Angestellte von VP Schickedanz wollten mehrfach vertreten sein) an rund 1500 Unternehmen verschickt, vor allem in der Region Mittelfranken, aber auch darüber hinaus. Knapp die Hälfte, nämlich 680 Betriebe, ließen sich daraufhin die gesamten Bewerbungsunterlagen eines oder mehrerer Kandidaten zuschicken. In 280 Fällen - das freut Bauerreiß besonders - kam es dann zu Vorstellungsgesprächen.

Dabei offenbarte sich dann freilich auch der Unterschied zwischen Katalog und Realität: Nur vierzig bis fünfzig Angehörigen des Papiertaschentücher-Herstellers wurde ein neuer Arbeitsvertrag in Aussicht gestellt - eine Quote, die sich so "sensationell" auch wieder nicht anhört. Jürgen Bauerreiß wäre denn auch schon froh, bis zum Ende des Projekts zwei Drittel oder wenigstens die Hälfte der VP-Belegschaft bei einem neuen Arbeitgeber untergebracht zu haben. Für dieses Ziel hat er inzwischen die zweite Stufe seines Projekts gezündet: In knallgelben Anzeigen preist er einzelne Stellungssuchende an und hängt dann - nach der Manier einer Heiratsvermittlung - ein Dutzend Aspiranten aus verwandten Berufsfeldern mit dran. Wieder können sich die Personalchefs wie bei einer Sammelbestellung aussuchen, wen sie haben wollen und wen nicht.

Gerade aber diese extrem arbeitgeberfreundliche Ausrichtung scheint ein Grund für den Vermittlungserfolg des kollektiven outplacement zu sein. "Es verursacht uns keine Kosten, und der Betrieb kann sich erst mal bedeckt halten", erklärt Helmut Maczek, Personalleiter einer Nürnberger Speditionsfirma, der im PM-Katalog bei seiner Suche nach einem Sachbearbeiter mit Import-/Exportkenntnissen fündig geworden ist. Er engagierte die Kandidatin ("Ohne den Vermittlungsservice hätte das wohl nicht so schnell geklappt") von der Stelle weg. Nicht ohne leise Wehmut erzählt der Personalchef in diesem Zusammenhang, daß er selbst erst vor zwei Jahren bei Triumph-Adler "abgebaut" worden sei. "Damals hätten wir es sehr begrüßt, wenn es ein outplacement gegeben hätte."