Die Bundesbank ist für die Bonner Regierung eine feine Sache, solange es gelingt, etwas von den Strahlen der starken Mark auf die eigene glanzlose Arbeit zu lenken. Doch in diesen Tagen wird die Bundesregierung die Frankfurter Währungshüter verfluchen: Da schickt sie nun ein CSU-Mitglied nach dem anderen in den Zentralbankrat, und doch hat die Buba in ihrem neuen Monatsbericht wieder ohne jedes Fingerspitzengefühl zu Finanzfragen Stellung genommen. Diesmal spießt sie nicht die Schattenhaushalte auf oder die Mär, deutsche Unternehmen würden steuerlich stärker belastet als die ausländische Konkurrenz. Mit ihrer neuen Analyse stellt sich die Bundesbank direkt an die Seite der Opposition, die es für unsinnig hält, die Senkung der Gewerbesteuer mit schlechteren Abschreibungsmöglichkeiten zu erkaufen.

Der Bundesregierung zufolge würde diese Reform mehr Investitionen und damit mehr Arbeitsplätze bedeuten. Nach dem Kalkül der Bundesbank kann das nicht stimmen: Vier Fünftel der Investitionen werden aus Abschreibungen finanziert, nur ein Zehntel über Gewinne. Investitionsfreundlich ist es deshalb nicht, Gewinne zu begünstigen, aber Abschreibungen zu erschweren.