Erneut zeigt Margaret Thatcher, wie vortrefflich sich Memoiren als politische Waffe einsetzen lassen. Ihr jüngster Zornesausbruch ist eine Mischung aus Rache, Rechthaberei und auflagensteigernder Werbeaktion. Im ersten Teil ihrer Erinnerungen hatte sie ihren Nachfolger John Major noch auf leicht maliziöse Art madig gemacht. Nun fällt sie im zweiten Band ein vernichtendes Urteil über ihren politischen Ziehsohn: Ein Versager ohne Mumm und Überzeugungen, ein Premier der faulen Kompromisse sei er.

Und natürlich macht Maggie die graue Maus in Downing Street Nr. 10 für alle Übel verantwortlich: für den Krach bei den Tories wegen Europa, für die härteste Rezession in der britischen Nachkriegsgeschichte, für die fortschreitende Erosion britischer Souveränität. Dabei nimmt es die Memoirenschreiberin nun wirklich nicht genau mit der Wahrheit. Die Historiker dürften ihr dies dereinst bestätigen.

Dem bedauernswerten Premier hilft dies wenig in seiner prekären Lage. Margaret Thatchers Rezept für eine britische Blockadepolitik gegenüber der Eropäischen Union könnte für die Tories unwiderstehlich werden - ob nun mit Major oder ohne ihn.