Eines der umstrittensten Projekte der modernen Hirnforschung ist der Versuch, Parkinson-Kranke mit einer Verpflanzung von Hirngewebe abgetriebener Embryonen zu heilen. Denn dabei werden gleich mehrere ethische Grundfragen aufgeworfen. Zum einen: Dürfen menschliche Feten überhaupt als "Ersatzteillager" für Kranke dienen? Zum anderen: Ist ein Mißbrauch solcher Versuche auszuschließen? Und drittens: Welche Folgen hat eine solche Hirnverpflanzung möglicherweise für die Persönlichkeit des Patienten?

Auf alle diese Fragen gibt es derzeit kaum befriedigende Antworten. Ein Symposium zu diesem Thema vor wenigen Monaten in Hannover führte in der deutschen Diskussion zu mehr Mißtrauen als Aufklärung. Denn der gastgebende Neurochirurg Guido Nikkah und der Parkinson-Spezialist Wolfgang Oertel, die in Deutschland die ersten Versuchsanträge gestellt haben, begingen den Fehler, nur einige ausgesuchte Journalisten nach Hannover zu laden. Verständlich, daß die Ausgesperrten von diesem eingeschränkten Dialog mit der Öffentlichkeit wenig angetan waren.

Inzwischen haben neue klinische Ergebnisse aus den USA die Diskussion weiter angeheizt. Bislang war weitgehend ungeklärt, ob die Verpflanzung des Fetengewebes dem Kranken wirklich nützt. Die Grundidee dabei ist folgende: Die Ausfallsymptome der Parkinsonschen Schüttellähmung beruhen darauf, daß die Zellen in einer kleinen Hirnregion des Kranken (der Substantia nigra) absterben. Dadurch wird der Nervenbotenstoff Dopamin, der für die Koordination der Bewegungen wichtig ist, nicht mehr ausreichend produziert. Seit Anfang der achtziger Jahre wird daher die Idee verfolgt, die Dopamin-produzierenden Hirnzellen zu ersetzen.

Aussichtsreichste Methode dabei ist eine Verpflanzung von Gewebe aus dem Zwischenhirn zwei bis drei Monate alter Feten direkt in die Substantia nigra der Parkinson-Kranken. Die Ergebnisse dieser Therapie (weltweit bisher an etwa 200 Patienten erprobt) sind reichlich widersprüchlich. Ungeklärt blieb, ob die fetalen Zellen wirklich die Dopamin-Produktion ankurbeln.

Jetzt bewies die Obduktion eines Parkinson-Patienten, daß sich die eingepflanzten embryonalen Zellen wirklich in das Fremdhirn integrieren und dort auch "funktionieren" können. Für die daran arbeitenden Mediziner ist dieses Ergebnis mit Sicherheit ein Erfolg. Die (zumeist weiblichen) Kritiker dagegen fürchten vor allem negative Folgen für die Frauen. Da pro Operation sieben bis acht Feten "benötigt" werden, könnte Abtreiben zum "Zulieferergewerbe" werden. Möglicherweise entstünde auch ein internationaler (Schwarz-)Handel mit abgetriebenen Embryonen.

Die Befürworter der Methode verweisen hierzulande zu Recht auf die Kontrolle von Ethikkommissionen und einen EU-Beschluß, der nur solche Projekte fördern will, die jeden "finanziellen, psychologischen oder sonstigen Druck auf schwangere Frauen ausschließen".

Alle bisherigen Erfahrungen in der Tranplantationsmedizin zeigen allerdings, daß sich ein möglicher Mißbrauch vorwiegend in andere Länder mit laxeren Bestimmungen verlagert: Denn bereits heute wissen Hirnspezialisten, daß sie etwa in China mit fetalem Gewebe bestens bedient werden.