Die Seele des Peter Pan
Sexualforscher Prof. Wolfgang Berner über Pädophilie
Warum ist es für Eltern schwer, ihre Kinder vor Pädophilen zu schützen?
Wir sind darauf angewiesen, einander zu trauen, und können schwer erkennen, wann der Vertrauensgrundsatz wegen einer krankhaften Störung des anderen nicht gilt. Wir begegnen einem funktionierenden Menschen, dem wir nie zutrauen würden, anders zu denken als wir selbst, der aber in einem abgespaltenen Teil der Persönlichkeit seinen Affekten ausgeliefert ist.
Und reagiert wie ein Suchtkranker?
Wie einer, der nicht sehen will, wie sehr er dem Alkohol verfallen ist. Er denkt, er trinkt diesmal das letzte Mal und es käme nur darauf an, daß es niemand merke, dann würde er es schon überwinden. Seine Selbstkontrolle funktioniert nicht wie bei denen, deren Sexualität befriedigend ist, weil sie mit der Gesamtheit des Ich im Einklang steht. Er weiß in einer Ecke des Bewußtseins, daß es schlecht ist, und muß es trotzdem tun. Er leugnet alles, auch vor sich selbst, um nicht aus den sozialen Beziehungen herauszufallen.
Verliebt sich der Pädophile in das Kind?
Manche müssen eine Beziehung eingehen, um in Erregung zu geraten. Sie umwerben die Kinder wie Verliebte. Dazu gehören meist Lehrer und Priester. Aber es gibt auch andere, die das Kind nur als Fetisch benutzen. Nur wenige werden richtig aggressiv. Pädophile haben ein besonderes Einfühlungsvermögen für Kinder. Lewis Carroll, Autor von "Alice im Wunderland", war wahrscheinlich ein Pädophiler, ebenso James M. Barrie, der "Peter Pan" geschrieben hat.
- Datum 02.06.1995 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 23/1995
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