Wie es da schon riecht!Seite 4/4

Auftritt: Rechtsanwalt Dr. Kuboschok, Rechtsberater des Versandhauses Quelle, dessen Besitzer, Gustav Schickedanz, ehemals ebenso frühes SA-Mitglied, eine Chance wittert, der Konkurrenz Unannehmlichkeiten zu bereiten. Dr. Kuboschok findet einen Brief vom 15. September 1938, in dem Josef Neckermann schreibt: "Über das Konto bleibe ich verfügungsberechtigt, so lange ich Ihnen nicht andere Weisung zugehen lasse." Das heißt: Er hat am 15. September 1938 ein Konto über die Kaufsumme eingerichtet, nachdem Joel am 6. September 1938 enteignet worden war. Die Klage Karl Joels gegen das Bankhaus Hardy scheitert. Motto Neckermann: "Gewußt wie, darauf kommt es immer an".

1933 existieren in Deutschland 100 000 jüdische Betriebe, im April 1938 sind es noch 39 532. Anfang 1933 gibt es mehr als 500 000 jüdische Geschäfte, im Juli 1938 noch 9000, davon 3637 in Berlin. Am 17. 1. 1939 ist die Arisierung abgeschlossen. Brief eines Münchner Kaufmanns, Nationalsozialist, SA-Mann, am 16. April 1938 an die Industrie- und Handelskammer München: Ich kann nicht mehr zusehen, "in welch schamloser Weise von vielen ,arischen` Geschäftsleuten, Unternehmern etc. versucht wird . . ., die jüdischen Geschäfte, Fabriken etc. möglichst wohlfeil und um einen Schundpreis zu erraffen. Die Leute kommen mir vor, wie die Aasgeier, die sich mit triefenden Augen und heraushängender Zunge auf jüdische Kadaver stürzen." Josef Neckermann: "Unter den gegebenen Umständen hielt sich Joel tapfer."

Versöhnung?

Helmut Joel nickt. "Wissen Sie, ich bin in Nürnberg geboren, es ist meine Heimatstadt. Mein Vater ist, wie die ganze Familie, aus Colmberg, das liegt zwischen Rothenburg und Ansbach. Bis ins 18. Jahrhundert habe ich den Stammbaum zurückverfolgt." Er ist wieder verheiratet, sein 24jähriger Sohn Alexander, Billys Halbbruder, schließt in Kürze sein Dirigenten- und Kompositionsstudium in Wien ab und kommt im Winter zu einem Gastdirigat nach Nürnberg. "Ich bin glücklich, daß meine beiden Söhne das tun, was ihnen Spaß macht."

Billy Joel spricht und versteht kaum Deutsch. Daß muß kein Nachteil sein. Aber um sich zu versöhnen, muß man erst wissen, was zu vergessen ist. Als Billy Joel 1987 als erster amerikanischer Rockstar in der Sowjetunion auftrat, war es vermutlich einfacher.

 
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