Code Sharing: Unterschiede im Service
Mit dem Code Sharing verbessern die Fluggesellschaften ihre Bilanzen. Ihre Kunden müssen dadurch manchmal mit einem höchst unterschiedlichen Komfort vorliebnehmen.
Nicht immer ist das, was draufsteht, auch wirklich drin. Diese alte Verbraucherweisheit gilt heutzutage im Luftverkehr mehr denn je, seit die Fluggesellschaften sich zunehmend und häufig ziemlich ungeniert des sogenannten Code Sharings bedienen.
Das heißt, sie verkaufen Sitzplätze für einen Flug unter ihrem Namen, der in Wirklichkeit aber von einer anderen Gesellschaft durchgeführt wird. Dies nützt vor allem den Airlines: Sie senken ihre Kosten und steigern trotzdem ihr Streckenangebot und die Auslastung der Flugzeuge.
Die Allianz zwischen Lufthansa und United etwa, mit täglich 300 Code-Share-Flügen, bringt beiden Partnern jeden Tag tausend zusätzliche Passagiere und übers Jahr allein der Lufthansa Zusatzeinnahmen in dreistelliger Millionenhöhe. Vor allem sind die Gesellschaften dank Code Sharing in den Computer-Reservierungssystemen mit mehr "Direktflügen" unter einer einzigen Flugnummer an vorderer Stelle vertreten und werden deshalb häufiger gebucht. Umsteigen müssen die Fluggäste trotzdem.
Verkauft wird Code Sharing als große Innovation für den Kunden, doch in Wirklichkeit zieht dieser oft den kürzeren, muß verwirrende Flugnummern entschlüsseln und manchmal einen schlechteren Service hinnehmen.
Bei Lufthansa weisen 6000er-Nummernim Flugplan auf Dienste von Partnerlinien hin, deren Kürzel daneben auftaucht. Code-Share- Partner des Kranichs sind: Adria Airways, Austrian und Canadian Airlines, Lauda Air, Luxair, Thai Airways, United und Varig.
Dem Passagier werden damit unter LH-Flugnummern sehr unterschiedliche Produkte geboten: Fliegt er etwa mittags mit LH 6430 von Frankfurt nach Chicago, kommt er mit der United-Boeing 777 in den Genuß eines der modernsten und bequemsten Flugzeuge der Welt. Besteigt er dagegen LH 6852 nach Calgary, muß er in einer betagten DC-10 der Canadian Airlines Platz nehmen. Ungereimtheiten weist der Flugplan auf der Strecke Frankfurt-Linz (Code Share mit Austrian Airlines) aus: Hier fliegt angeblich Partner Contactair mit einer Fokker 50, die sie gar nicht besitzt. Tatsächlich wird die Dash-8 eingesetzt.
- Datum 04.08.1995 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 32/1995
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