Was Ford nicht tutSeite 2/2
Ford Köln weicht der Verantwortung vor der eigenen Geschichte aus. Der Vorstand betrachtet solche Fragen als innere Angelegenheit der Firma. Auch daß Ford seit August 1944 neben dem Kriegsgefangenen- und Ostarbeiterlager ein eigenes Kommando ("Köln-Ford") des KZ Buchenwald unterhielt, ist für den Konzern eine Privatangelegenheit. An die SS zahlte Ford pro Tag vier Reichsmark für Hilfsarbeiter und sechs Reichsmark für Fachkräfte. In Köln-Niehl will man davon nichts wissen.
Als die Projektgruppe Messelager in diesen Tagen ein Forum "ZwangsarbeiterInnen und KZ-Häftlinge bei Ford" veranstaltete, ließ die Automobilfirma wissen, rein "technisch" sei der Termin "äußerst ungünstig": Dienstag und Mittwoch seien die Pressetage auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt; die gesamte Mannschaft der Öffentlichkeitsarbeit sei dort praktisch "rund um die Uhr" im Einsatz. Und weiter: "Was das andere von Ihnen angesprochene Thema anbetrifft, nämlich mit zeitgeschichtlichen Forschungen Lücken in der Firmengeschichte zu schließen, so ist derzeit der Entscheidungsprozeß noch nicht abgeschlossen." - Fünfzig Jahre lang befindet sich die Chefetage von Ford Deutschland jetzt schon im Entscheidungsprozeß.
- Datum 22.09.1995 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 39/1995
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