Bald eineinhalb Stunden sprach Rudolf Scharping am Dienstag mit Bonner Journalisten. Gelacht wurde nur einmal. Da stellte der SPD-Vorsitzende das Parteitagsmotto für die Eröffnungsveranstaltung in Mannheim vor: "Dem Frieden eine Heimat geben". Das klingt nach Kirchentag. Wäre das der SPD nicht zu gönnen? Ein bißchen Frieden?

Denn schon zieht neuer Unfriede herauf. Auch die Sozialdemokraten stehen vor der Frage: Wie halten wir es mit der deutschen Beteiligung an einer internationalen Friedenstruppe für Bosnien? Werden die Neinsager um Oskar Lafontaine - wie bei der Tornado-Entscheidung - dominieren? Oder setzen sich diesmal die Jasager um Karsten Voigt durch?

Letztere hoffen auf einen Durchbruch, seit Generalsekretär Verheugen, der zuletzt auf Lafontaine-Kurs dampfte, in der Fraktion von einer "Lähmung" der SPD-Außenpolitik sprach und eine Grundsatzdebatte forderte. Bewegt sich da etwas?

Dem Frieden eine Heimat geben wollten in der vergangenen Woche auch die Grünen. Nachdem sie wochenlang den Aufmarsch der Empörten gegen Abschiebeminister Kanther angeführt hatten, versöhnten sie sich plötzlich mit ihm. Kanther habe erschöpfend Auskunft gegeben, hieß es nach einer Aussprache im Innenausschuß. Eine Aktuelle Stunde über die "Zurückführung" der sieben sudanesischen Asylbewerber sei nun nicht mehr nötig. Doch kurz darauf bereuten die Grünen bitterlich. Es folgte die schnelle Entschuldigung bei den Flüchtlingsinitiativen: Ein schiefes Bild sei entstanden. In der Tat. Aber wie hängt es denn nun richtig?

Vielleicht so: Die Asylpolitik des Innenministers ist seit letzter Woche nicht humaner geworden. So "erschöpfend" kann man gar nicht Auskunft geben, daß es plötzlich akzeptabel erscheint, den Zusicherungen eines Folterstaates Glauben zu schenken und eine "Zurückführung" anzuordnen, bevor Alternativen wohlwollend geprüft wurden.

Andererseits: Auch Gegner des Asylrechts haben seit vergangener Woche nicht an Glaubwürdigkeit gewonnen. Manche sind, ob aus Einäugigkeit oder Übereifer, übers Ziel hinausgeschossen. Wenn ein parteilicher Aktivist und ein parteilicher Minister einander widersprechen - dann ist eben nicht von vornherein klar, wer die Wahrheit - die ganze! - auf seiner Seite hat.