DIE ZEIT: Herr Koschnick, sind wir am Anfang vom Ende dieses Krieges?

Hans Koschnick: Ich glaube, wir sind am Anfang von ernsthaften Verhandlungen, die zu einem langfristigen Waffenstillstand führen. Ob am Ende des Waffenstillstands so viel Vernunft auf allen drei Seiten eingekehrt ist, daß daraus wirklich ein Friedensvertrag entsteht, ich weiß es nicht, ich hoffe es.

ZEIT: In der ersten Kriegsphase hatten die Serben Ostbosnien "gesäubert". Jetzt haben Muslime und Kroaten in Westbosnien Städte erobert, die bis zu neunzig Prozent serbisch waren. Muß man diese militärischen Fakten anerkennen?

Koschnick: Ich befürchte, ja. Unsere amerikanischen Freunde haben ja einiges wirklich in Bewegung gebracht und nicht nur zum Negativen. In der vorsichtigen Art und Weise, wie sie das Vorgehen der Kroaten in der Krajina begleiten, machen sie deutlich, daß ihnen eigentlich der Friedensschluß wichtiger ist als die konkrete Vertretung der Menschenrechte. Diese werden leider nicht das Problem der Amerikaner sein. Die möchten Ruhe für die Verhandlungen haben, sie möchten auch dafür sorgen, daß Ruhe bleibt.

ZEIT: Doch die Voraussetzung dafür sind wohl ein Waffenstillstand und eine Truppe von rund 50 000 Nato-Soldaten, die dafür sorgt, daß ein Friedensabkommen eingehalten wird.

Koschnick: Ich will die Zahlen nicht bestätigen. Aber das Land muß militärisch gesichert werden, damit Frieden herrscht. Es ist richtig, dort Nato-Truppen zu stationieren, vorausgesetzt, daß die Russen auch Verbände entsenden, um ihre orthodoxen Brüder zu stützen, wie die anderen die muslimischen und katholischen. Das wäre sinnvoll.

ZEIT: Sind Sie für den Abzug der Unprofor?