Vor einem Jahr verabschiedete der Rat der Arbeits- und Sozialminister in Brüssel die Richtlinie über "Europäische Betriebsräte". Danach müssen alle Unternehmen mit mehr als tausend Beschäftigten, von denen mindestens jeweis 150 in zwei Mitgliedsländern der EU arbeiten, ein solches Gremium gründen. Betroffen sind gut tausend grenzüberschreitende Konzerne, darunter etwa 290 in Deutschland. Bis Ende September 1996 muß die Richtlinie in nationales Recht umgesetzt werden. Dazu haben sich vierzehn Mitgliedsstaaten der EU und drei Länder des Europäischen Wirtschaftsraums verpflichtet. Der Euro-Betriebsrat soll mindestens einmal im Jahr tagen. Er muß über die wirtschaftliche und finanzielle Situation des Unternehmens informiert werden - und zwar so rechtzeitig, daß er noch Alternativkonzepte erarbeiten kann. Außerdem wird dem Gremium das Recht auf Anhörung zugebilligt, ein Begriff, dessen Auslegung schon jetzt zwischen Regierungen, Arbeitgebern und Gewerkschaften umstritten ist.

Bisher sind sechzig Unternehmen der Aufforderung Brüssels gefolgt, schon vor der Umsetzung in nationales Recht ein europäisches Konsultationsorgan zu gründen. Zu den deutschen Pionieren gehören in der Metallbranche Volkswagen, Preussag, Grundig, Schmalbach- Lubeca und FAG Kugelfischer. Vorreiter in der Chemieindustrie sind Bayer und Hoechst sowie Beiersdorf, Henkel und Schering. Vereinbarungen gibt es auch bei Bertelsmann und dem Reifenhersteller Continental. In vielen weiteren Firmen stehen die Verhandlungen kurz vor dem Abschluß.