Die Krise der Gewerkschaften ist ein populäres Thema. Daß die Auflösungserscheinungen im Arbeitgeberlager, namentlich in der Metallindustrie, zumindest ebenso bedrohlich sind, wird darüber mitunter vergessen. Nun hat der Zank ein prominentes Opfer gefunden. Dieter Kirchner, seit 27 Jahren Hauptgeschäftsführer des Dachverbandes Gesamtmetall, wurde von den Provinzfürsten der Regionalverbände unter Führung der Bayern aus dem Amt gedrängt. Richtig ist, daß die Kölner Zentrale die Unternehmen in der diesjährigen Tarifrunde mit einer verkorksten Taktik in eine Niederlage geführt hat, und auch im anschließenden Streit hat Kirchner sich nicht gerade geschickt verhalten. Richtig ist aber auch, daß er aus Gesamtmetall den mächtigsten Arbeitgeberverband im Land geformt hat. Daß er diesen Weg weitergehen wollte, und sei es auf Kosten der teils desolaten Landesverbände, hat ihn nun offenbar den Kopf gekostet. Doch die Königsmörder sollten nicht allzulange triumphieren. Und auch bei der Wahl des Nachfolgers muß klar sein: Ein schwacher Gesamtmetall-Chef, der niemandem in den Regionen auf die Füße treten mag, ist bequem, aber nutzlos.