Der Ort des wirtschaftspolitischen Luft- und Raumfahrt-Gipfels, zu dem Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber geladen hatte, war gut gewählt. München ist das Mekka der Branche. Der Schwerpunkt dieses Industriesektors liegt im Süden. Mit über 27 000 Mitarbeitern hat allein Bayern mehr als ein Drittel aller Arbeitsplätze der Luft- und Raumfahrt Deutschlands.

Doch wenn sich die Polit-Pilger, Regierungschefs und Wirtschaftsminister aus neun Bundesländern sowie Manager und Betriebsräte der Dasa von dem Krisentreffen konkrete Staatshilfen erhofft hatten, wurden sie eher enttäuscht. Weder semantische Beschwörungsformeln noch unverhohlene Drohungen, Verluste des Luftfahrtunternehmens Dasa mit Hilfe schmerzhafter Einschnitte zu Lasten der Arbeitnehmner abzuwenden, erzeugten nachhaltige Wirkung: Aus Bonn wird es vorerst keine neuen Subventionen geben.

Nur Bayerns Regierungschef Stoiber signalisierte Zugaben. Aus Privatisierungserlösen will Stoiber 30 Millionen Mark, gegebenenfalls sogar 60 Millionen zusätzlich beisteuern. Damit soll das Luftfahrt-Programm vom vergangenen Jahr im Volumen von 1,2 Milliarden Mark (jeweils 600 Millionen von Bonn und der Industrie) aufgestockt werden.

Von der Bundesregierung erwarten die Regierungschefs der Länder mit Dasa-Standorten darüber hinaus eine deutliche Erhöhung der Fördersätze für Forschung und Entwicklung - von 50 auf 75 Prozent. Das soll die Förderlücke gegenüber dem US-Konkurrenten füllen, die Dasa-Chef Manfred Bischoff allein für sein Unternehmen auf jährlich 500 Millionen Mark beziffert. Daß Finanzminister Theo Waigel seinen ohnedies auf Rand genähten Etat enstprechend aufstocken wird, ist nahezu ausgeschlossen. Und daß die Industrie in Wirtschaftsminister Günter Rexrodt auf einen Verbündeten für weitere Subventionen hoffen kann, ist ebenfalls nicht absehbar.

Rexrodts parlamentarischer Staatssekretär Norbert Lammert, der Koordinator der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrtindustrie, stellt klar: "Die öffentliche Erwartung, Geld aus öffentlichen Kassen zur Überwindung von Liquidität und sonstigem bereitzustellen, halte ich weder für das zentrale Problem, noch kann ich jemandem ernsthafte Aussichten machen."

Anders als die Dasa mit ihrem Crash-Programm Dolores, bestreitet Lammert auch entschieden, daß der Abbau von bis zu 15 000 Beschäftigten ausschließlich mit dem niedrigen Dollarkurs zu begründen sei. "Wer ernsthaft behauptet, die Probleme lägen am Dollarkurs und wenn es den Dollarkurs nicht gäbe, gäbe es auch das Problem nicht, der lügt sich in die Tasche."

Zwar wird gerade die Luftfahrtindustrie von Schwankungen des Dollarkurses besonders arg gebeutelt, weil den Erlösen in Dollar Produktionskosten meist in Mark gegenüberstehen. Dennoch ist der Dollar allein nicht für alle Probleme des Unternehmens verantwortlich. So wird beispielsweise das Regionalflugzeug Do 328 von der Dasa-Tochter Dornier - durch Zulieferungen - zu achtzig Prozent im Dollarraum gefertigt, dennoch macht dieses Unternehmen Verluste.