DIE ZEIT: Herr Generalsekretär, Sie haben dem Sicherheitsrat empfohlen, im ehemaligen Jugoslawien die Blauhelme von Unprofor durch eine multinationale Truppe zu ersetzen, unabhängig davon, ob es einen Friedensschluß geben wird oder nicht. Warum?

Butros Butros-Ghali: Wir haben ein Defizit von 3,4 Milliarden Dollar. Und die Operation in Jugoslawien kostet pro Tag 4,7 Millionen Dollar. Wir sind aus finanziellen Gründen nicht mehr in der Lage, diese Operation fortzusetzen. Das ist ein ethisches Problem. Unsere Kosten in Jugoslawien belasten andere Friedensmissionen. In Liberia geben wir zum Beispiel pro Jahr 25 Millionen Dollar aus. Das entspricht fünf Tagen Einsatz in Jugoslawien. In Ruanda geben wir nur 273 Millionen Dollar pro Jahr aus.

ZEIT: Litt die Mission in Jugoslawien nicht von Anfang an unter dem Widerspruch, einen Frieden bewahren zu wollen, den es nicht gab, und bei Verstößen gegen UN-Resolutionen militärischen Zwang ausüben zu müssen?

Butros-Ghali: Gewiß. Diese Widersprüche sind angesichts der Finanzkrise aber zweitrangig. Mein wirkliches Problem ist: Wir sind bankrott.

ZEIT: Würden Sie nicht auch gern eine Operation wieder loswerden, von der Sie von Anfang an glaubten, sie sei zu schwierig für die Uno?

Butros-Ghali: Nein, überhaupt nicht! An dem Tag, an dem die Mitgliedstaaten mir die 3,4 Milliarden Dollar zahlen, bin ich zu allem bereit.

ZEIT: Bräuchten Sie dann auch keine Nato-Truppen mehr zur Durchsetzung des Friedensabkommens?