Kürzlich trafen wir uns in Atlanta bei einer Versammlung der Literaturnobelpreisträger. Ich habe mich gefreut, Sie wiederzusehen, und mich an unsere erste Begegnung vor einigen Jahren in Tokio erinnert, bei der ich Ihre Freundlichkeit schätzen lernte, die, so meine ich, nicht nur Gastgeberpflicht war.

Mehrmals und so sehr ich vermochte, habe ich Ihr Werk verteidigt. Nicht daß es genau dem entspräche, was ich mir unter einem Roman vorstelle; es begeisterte mich, durch ihr Werk, das so sehr autobiographisch erscheint, zu erfahren, was sich Tausende von Kilometern entfernt im Kopf eines Geistesverwandten abspielen mag, der Erbe einer Kultur, einer Sprache, eines Denkens und einer Lebensform ist, über die ich - und das Abendland ganz allgemein - nur wenig weiß. Mit anderen Worten, was über Ihr Talent hinaus meine Aufmerksamkeit erregte, waren gerade die Unterschiede zwischen uns. Fremdes zieht mich an, nicht nur weil es fremd ist, was immer und überall eine Bereicherung darstellt, sondern auch weil, wenn sich - wie bei Ihnen - etwas Authentisches darin zeigt, es paradoxerweise einen uns allen gemeinsamen "Fundus" enthüllt. Und dann sind Sie mir auch noch sympathisch.

Ich habe lange gezögert, Ihnen zu schreiben. Skandale sind mir zuwider. Doch nun haben die Dinge eine Wendung genommen, wo die Frechheit der Lächerlichkeit den Rang streitig macht und es mir schwerfällt, weiterhin zu schweigen.

Sie glaubten vor kurzem, Ihre Feindseligkeit gegenüber meinem Land, in das Sie eingeladen waren, auf recht harsche Weise kundtun zu müssen, indem Sie die Atomversuche geißelten, die dieses auf einer kleinen Pazifikinsel Tausende von Kilometern von Ihrem und von anderen Ländern entfernt vornimmt. Zahlreiche Experten versichern hingegen, daß diese Versuche für Land, Meer und Mensch völlig harmlos seien. Und wen will man im Ernst glauben machen, Frankreich sinne über einen Angriffskrieg nach?

Andererseits weiß ich, schließlich habe ich an Körper und Geist daran gelitten, daß in den Jahren vor dem letzten Krieg eine starke "pazifistische" Strömung sich jedem Rüstungsprogramm entschlossen widersetzte. Eine Zeitlang predigten unsere Kommunisten sogar einen "revolutionären Defätismus". In einem Punkt behielten sie recht, eine Niederlage, die défaite, gab es, doch was die "Revolution" anging, da bekamen wir Pétain. Wie seit ihrer bedingungslosen Verehrung für Stalin liegen sie offenbar immer falsch in ihren politischen Plänen und Analysen.

Jedenfalls wurde ich als Ergebnis all dieser guten Absichten im Mai 1940 ebenso wie Tausende von Kameraden mit Säbel und Karabiner lächerlich ausgerüstet und ebenso lächerlich hoch zu Pferd und ohne Luftsicherung an vorderster Front und auf freiem Feld den Panzern und Flugzeugen entgegengeschickt.

Inzwischen bin ich ein sehr alter Mann, der bald oder noch schneller nur noch den Tod sieht. Ich habe keine Kinder, doch möchte ich nicht, daß junge Franzosen erleiden müssen, was ich ertragen habe, noch, daß mein Land jemals wieder unter eine Besatzung gerät. Alles (und unter "alles" verstehe ich jede glaubwürdige Verteidigungs- oder Abschreckungsmaßnahme) lieber als das.