Fast ein Jahr lang schon sucht Wolfgang Bühler, Chef der Schickedanz-Unternehmensgruppe im fränkischen Fürth, einen neuen Vorstandsvorsitzenden für die Versandhaustochter Quelle AG, nachdem Ende vergangenen Jahres Klaus Mangold seinen Job Knall auf Fall hingeworfen hatte, um als Chef zur Daimler-Dienstleistungstochter Debis zu gehen. Doch jetzt scheinen die Schickedanz- Erben um Clanchef Bühler ganz in der Nähe ihres Hauptsitzes fündig geworden zu sein.

Steffen Stremme, eingefleischter Franke und im benachbarten Herzogenaurach im Vorstand der Adidas AG mit der Verantwortung für das Europageschäft betraut, soll neuer Vorstandsvorsitzender des Großversenders mit 12,5 Milliarden Mark Umsatz (1994) werden. Bühler will erreichen, "den Wechsel in freundschaftlichem Einvernehmen mit Adidas zu einem möglichst frühen Zeitpunkt herbeizuführen".

Der 48jährige Stremme, der von Stationen bei Siemens und Adidas auch wertvolle Auslandserfahrung mitbringt, gilt als qualifizierter Vertriebsexperte. Der ehemalige Leistungssportler hat wesentlich dazu beigetragen, daß die 3-Streifen-Marke den Angriff der beiden Weltmarktführer Nike und Reebok auf die Spitzenposition im deutschen Markt erfolgreich abschlagen konnte.

Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus wird Stremme freilich nicht gerne ziehen lassen. Zwar können die Herzogenauracher glänzende Zahlen vorweisen, und für das laufende Jahr wird ein deutlicher Umsatzanstieg und eine Verdopplung des Jahresgewinns von 1994 (128 Millionen Mark bei 3,3 Milliarden Mark Konzernumsatz) prognostiziert. Doch schließlich wollen die Adidas-Eigner - neben Dreyfus halten sein französischer Landsmann und Vorstandskollege Christian Tourres und der in Bangkok residierende David Bromilow die größten Aktienpakete - nach der wundersamen Genesung des Traditionsunternehmens noch in diesem Jahr an die Börse gehen. Und nachdem die fränkischen Sportschuster die Produktion praktisch komplett nach Asien verlegt haben, macht es sich nicht besonders gut, wenn aus dem sechsköpfigen Adidas-Vorstand auch noch der letzte Deutsche abwandert.

Ein Mann der Medien ist er von Haus aus gerade nicht; seiner Profession als Wirtschaftsanwalt angemessen, ist bisher nur wenig über ihn in aller Öffentlichkeit ausgebreitet worden. Dabei hat er sich die Medien zum neuen Betätigungsfeld erwählt: Dietrich von Boetticher wird zum 1. November vom Hamburger Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr die Berliner Wochenpost (Auflage: gut 100 000 Exemplare) übernehmen. Mit 25 Prozent bleibt G + J beteiligt und zeichnet auch künftig für Vertrieb und Anzeigenakquisition verantwortlich. Den Versuch, das ehemalige DDR-Blatt auch westdeutschen Lesern schmackhaft zu machen, will Boetticher wohl vorerst nicht unternehmen - G + J ist damit gescheitert.

Ins Mediengeschäft ist von Boetticher, millionenschwerer Immobilienbesitzer und Züchter von Rennpferden, ganz unspektakulär eingestiegen. "Auch Anwälte haben Interessen über ihren Beruf hinaus", erläuterte der nun 53jährige einmal dem Branchenblatt Buchreport. Im Frühjahr 1994 übernahm er den ums Überleben kämpfenden Luchterhand Buchverlag, im Mai 1995 den Literatur- und Sachbuchverlag Volk und Welt, einst in der DDR der größte Verlag für ausländische Belletristik. Ganz ohne schlechtes Gewissen, so scheint es, entläßt G + J das schwierige Kind nicht: In einer kleineren verlegerischen Einheit, teilt der Verlag mit, werde der neue Verleger dem Blatt "eine verbesserte wirtschatliche Perspektive" geben.

Wer bisher den Engländer Nick Leeson, der mit Verlusten aus versteckten Termingeschäften im Februar die renommierte Barings-Bank zu Fall brachte, für einen einsamen Täter hielt, mußte sich jetzt eines Besseren belehren lassen. Einem Japaner namens Toshihide Iguchi gelang in der New Yorker Filiale der Daiwa Bank tatsächlich ein ähnliches Kunststück: Er schaffte es, Verluste aus dem An- und Verkauf von US-Schuldscheinen in der Höhe von 1,1 Milliarden Dollar vor seinem Bankmanagement zu verbergen. Die Summe übersteigt sogar noch die von Leeson verantworteten Verluste, ihre Folgen sind nur weniger spektakulär, weil die Daiwa Bank mit einer Bilanzsumme von über hundert Milliarden Dollar den ihr zugefügten Verlust noch im laufenden Halbjahr abschreiben kann. Dafür mußte die ohnehin angeschlagene Bank, die unter Altlasten aus den Spekulationsjahren leidet, allerdings auf ihre letzten Reserven - den Verkauf bankeigener Immobilien - zurückgreifen.