Berlin

Freundschaften brechen auseinander, die ein halbes Leben lang hielten. Unversöhnlichkeit liegt in der Luft. Von einem besonderen deutschen Ort ist die Rede, der - fünf Jahre danach - nicht vereinigt ist und nicht eins, inmitten der vereinigten Republik. Er wird noch länger zerrissen bleiben. Im November startet ein neuer Gesprächsversuch.

Um den Club der Autoren geht es, den PEN. Es gibt ihn als West-PEN und als Ost-PEN. Bei einer leidenschaftlichen Sitzung im Sommer in Mainz hat die Mehrheit des West-PEN demokratisch beschlossen, den Vereinigungsvorstoß des Ost-Clubs abzulehnen. Siebzig West-Mitglieder haben seitdem aus Ärger darüber im Osten die Doppelmitgliedschaft beantragt.

Letztenendes hat es B. gegeben. B. lebt. Ob er sich selbst beobachtet hat, weiß ich nicht; und ich habe ihn nicht gefragt . . ." So beginnt ein Prosastück des Schriftstellers Hans Joachim Schädlich, Jahrgang 1935, der in der DDR nicht publizieren durfte und sich zur Ausreise (1977) gezwungen sah. Schädlich, Mitglied des West-PEN, gehört mit Sarah Kirsch und Günter Kunert, aber auch Herta Müller (die aus Rumänien kam) zur Gruppe derjenigen, die überaus kategorisch den Ausschluß von Leuten im Ost-Club erwarten, "die nachweislich die PEN-Charta schwer verletzt haben, gerade durch Kollaboration mit staatlichen Institutionen der DDR".

Das Statut legt die Meßlatte ja auch hoch. Die Mitglieder sollen "jeder Art der Unterdrückung der Äußerungsfreiheit" entgegentreten: auf Papier eine Hymne auf die "freie Kritik".

Erst einmal, sagt Schädlich im Gespräch, müsse der Ost-PEN seine eigene Geschichte aufklären und erklären. Wenn er die Liste der Mitglieder betrachte, fielen ihm "eine Menge Leute" auf, die mitgewirkt hätten. Namen will er nicht nennen. "Wir sind kein Gericht oder keine Ankläger, ich bin auch kein Staatsanwalt und Denunziant." Die Namen müsse der Ost-PEN schon selber suchen. Der aber möchte weiterhin nicht bei der Gauck-Behörde nachforschen, was andere bereits machen. Er hat vielmehr einen "Ehrenrat" gebildet, der zu vertraulichen Gesprächen zur Verfügung steht. Ausscheiden kann, wer immer will, ausgeschlossen soll keiner werden. Im übrigen haben die Mitglieder des Präsidiums in der Gauck-Behörde ihre Stasi-Akten eingesehen, also sich "gaucken" lassen, wie sie sagen.

Selbstverständlich gilt gleiches Recht für alle, sagt Schädlich. Auch Monika Maron müsse den West-PEN verlassen, das hat er der Präsidentin, Ingrid Bachér, schon geschrieben. Auch Frau Maron hat (für kurze Zeit, vor vielen Jahren) der Stasi zugearbeitet, hat es nicht von sich aus erzählt, sagt, es sei eher aufrührerisch gemeint gewesen und geschadet habe sie niemandem.