Der Fußballspieler Heiko Herrlich, seit Beginn der laufenden Bundesliga-Saison Arbeitnehmer des Ballvereins Borussia Dortmund, gilt als teuerste Investition - im Branchenjargon Ablösesumme genannt - im heimischen Fußballgeschäft. Wenigstens neun Millionen, wenn nicht gar knapp über zehn Millionen Mark zahlte der Deutsche Meister an den vorigen Herrlich-Club Borussia Mönchengladbach. Doch im europäischen Vergleich gehört der deutsche Torjäger noch nicht einmal in die Top-Ten-Liste der teuersten Transfers. Die führt der hierzulande eher unbekannte britische Stürmerstar Stan Collymore an, für den Rekordmeister FC Liverpool zwanzig Millionen Mark berappte.

Ablösesummen, die von einem Verein gezahlt werden, wenn er den Spieler eines Konkurrenten übernehmen will, gehören inzwischen zu den wichtigsten Einnahme- und Ausgabeposten der Bundesligaclubs. Fußballprofis können also nicht einfach ihren Arbeitsplatz wechseln, weil Transferentschädigungen anfallen. "In keinem anderen Berufszweig", so schrieb jüngst das Branchenblatt Kicker, "wird so geschoben und gelogen wie im Fußball."

Dem könnte alsbald ein Riegel vorgeschoben werden. In der vergangenen Woche befaßte sich der Europäische Gerichtshof in Luxemburg mit dem Fall eines belgischen Fußballers, der sich durch die Regeln des Europäischen Fußballverbandes Uefa bei seiner Berufsausübung behindert fühlt. In seinem Schlußvortrag schloß sich Generalanwalt Carl-Otto Lenz den Klagen des Kickers an: Die Ablösesummen zwischen altem und neuem Verein verletzten Fußballer in ihrer Freizügigkeit, Spieler könnten auch nicht als Ware angesehen werden. Auch die Ausländerklausel der Uefa betrachtete der Generalanwalt als eindeutige Diskriminierung aufgrund der Staatsangehörigkeit, die im europäischen Binnenmarkt gerade abgeschafft werden sollte.

Damit ist eine wesentliche Vorentscheidung gefallen. Die Europa-Richter, die um die Jahreswende ihr Urteil verkünden werden, sind noch beinahe immer dem Votum des Generalanwalts gefolgt, der - an französische Rechtstradition angelehnt - auf einer Ebene mit den Richtern steht und ihnen für die Urteilsfindung wesentliche Entscheidungshilfe liefert.

Folgen die Euro-Richter der "weltfremden, rein juristischen" Stellungnahme (so Wolfgang Niersbach, Sprecher des Deutschen Fußballbundes) ihres Kollegen, verlieren die Vereine ihre "lebenswichtige Basis" (Niersbach). So konnte beispielsweise der Hamburger Sportverein durch den Verkauf eines Topspielers nach Italien eine bedrohliche Überschuldung abbauen. Vereine, wie der VfL Bochum, die keine Chance auf Teilnahme an lukrativen internationalen Wettbewerben haben, konnten durch Transfereinnahmen halbwegs im Bundesligageschäft mithalten. Doch die Auswirkungen, so fürchtet DFB-Sprecher Niersbach, reichen selbst bis in die Amateurligen, die mit Hilfe von Verkäufen die notwendige Nachwuchsarbeit finanzieren. Und schließlich wäre sogar das Fußballer-Handelsgeschäft außerhalb der EU tangiert: Die reichen Clubs in der Gemeinschaft sind wichtige Abnehmer von osteuropäischen Kickerstars und sichern damit das Überleben der Vereine in Ländern, die noch weit entfernt sind vom Segen des Kapitalismus.