Mit dem ruhigen Handelsverlauf war es in der vergangenen Woche plötzlich vorbei. Der Dollar stürzte ab, und Bundesfinanzminister Theo Waigel verschreckte mit seinen Bemerkungen zur Währungsunion die Märkte. Resultat: Kurseinbrüche der Aktien und Rentenpapiere. Am Aktienmarkt explodierten zwar die Umsätze, vor allem durch Abgaben institutioneller Anleger, aber zu Panikverkäufen kam es nicht. Die private Kundschaft der Kreditinstitute hielt an ihren Beständen weitgehend fest. Die Gelassenheit zahlte sich für viele aus, schon zu Wochenbeginn setzte eine langsame Kurserholung ein. Sie wurde nicht zuletzt durch den Dollar eingeleitet, der sich entgegen vieler Prognosen wieder zu erholen begann.

Die Auseinandersetzungen um den Fahrplan der Währungsunion spielten bei der Tendenzbildung nur noch eine untergeordnete Rolle. Die Börsianer sind sich mehrheitlich einig, daß der Starttermin für die Währungsunion ohnehin um ein bis zwei Jahre verschoben wird.

Auf den auf ermäßigter Basis stabilisierten Dollar reagierten vor allem die Papiere der Großchemie. Aber auch die stark dollarabhängigen Autowerte haben inzwischen einen Teil ihrer erlittenen Kurseinbußen wieder ausgleichen können.

Da Zweifel aufgekommen sind, ob sich der langsamere Anstieg der Lebenshaltungskosten in Zukunft tendenziell fortsetzen wird, sind Hoffnungen auf eine weitere Rücknahme der Leitzinsen durch die Bundesbank in den Hintergrund getreten. Damit haben auch die lange Zeit ohnehin vernachlässigten Bankaktien wieder an Attraktivität eingebüßt. Inwieweit für die Zurückhaltung gegenüber Bankaktien auch die bevorstehende milliardenschwere Kapitalerhöhung der Commerzbank eine Rolle spielt, ist bei Experten umstritten. Daß ausreichend Kapital dafür vorhanden ist, steht jedoch außer Frage, entscheidend wird wohl das Börsenklima sein.

Auf ein günstiges Umfeld hoffen die Konsortialbanken auch bei der Neueinführung von vierzig Millionen Aktien der E. Merck AGKG, die rund zwei Milliarden Mark in die Kassen des Unternehmens spülen sollen. Dank intensiver Vorbereitung dürfte dieser Betrag auch eingenommen werden. Aktien der Pharmaindustrie werden aufgrund ihres Wachstumspotentials weltweit als chancenreiche Anlage angesehen.