Der Frate ist so jung, und langelang ist seine Mutter tot. Rainer Maria Rilke, "Das Buch der Bilder"

Ein Klostergarten. Später Nachmittag. "Der Regen kommt. Die Mücken stechen. Komm, es ist Zeit", sagt der alte Mönch zu dem jungen, der die Tomatenstöcke pflegt, "drüben regnet es schon." Der Junge schweigt. Wolken ziehen über den Ohridsee, der Makedonien von Albanien trennt. "Unser Gespräch ist zu einseitig, Kiril." Der Junge schweigt noch immer. "Ich fürchte, sie haben auch zu schießen angefangen", sagt der Alte. Dann, auf einmal: "Die Zeit stirbt nie. Der Kreis ist nicht rund."

Draußen, jenseits der Klostermauern, haben sie mit dem Schießen angefangen. Es sind Kinder; sie werfen Gewehrpatronen in ein kreisrundes Feuer. Wie das kracht! Die Kinder lachen. Drinnen im Feuerkreis bewegt sich etwas. Zwei Schildkröten; die Kinder haben sie hineingesetzt. Man sieht sie verbrennen.

Am Abend, nach der Messe, kehrt der junge Mönch in seine Zelle zurück. Als er sich hinlegen will, schrickt er zusammen: Ein Mädchen liegt in seinem Bett, verstört und ängstlich, mit kurzgeschorenem Haar. "Schlag mich nicht! Sprich mit mir! Bist du stumm?" fragt das Mädchen. Kiril schweigt. "Du sprichst kein Albanisch und ich kein Makedonisch." Schweigen. "Verrat mich nicht!" Das Mädchen wimmert. Kiril zögert. Sein Mund bleibt geschlossen; seine Augen sprechen Stoßgebete.

Kiril (Grégoire Colin), der junge Mönch, hat ein Schweigegelübde getan. Schweigend sieht er zu, als am nächsten Morgen Männer mit Gewehren in die Klosterkirche kommen. Sie suchen "eine Moslemhure", sagen sie, die einen Christen getötet habe. Sie durchsuchen das Kloster. Sie steigen, Maschinenpistolen im Anschlag, die Treppe empor, die zu Kirils Zelle führt. Kiril schweigt; doch seine Augen schreien.

Die Killer finden das Mädchen nicht. Die Mönche aber entdecken Kirils Geheimnis. Er wird aus dem Kloster ausgestoßen; das Mädchen, Zamira (Labina Mitevska), folgt ihm. Sie schleichen sich an der schnarchenden Wache vorbei ins Freie, in die Berge über dem See, und Kiril beginnt zu reden. "Wir gehen zu meinem Bruder nach Skopje und dann zu meinem Onkel nach London. Der ist ein berühmter Photograph." Plötzlich sind sie von Bewaffneten umringt: Zamiras Leute. Einer, ein Alter, schlägt das Mädchen, bis es blutet. "Hure!" Und zu Kiril: "Hau ab!" Er läuft davon, zögernd; Zamira rennt hinter ihm her. Einer der Männer hebt sein Gewehr: "Nicht, Schwester!" Er schießt. Das Mädchen bricht zusammen. "Es tut mir leid", sagt Kiril. Mit einer Geste bittet Zamira ihn zu schweigen. Dann ist sie tot.

Und noch immer hat es nicht geregnet.