Therapie als Krankheit

Im Streit um die richtige Drogenpolitik, um die Legalisierung von Cannabis und harten Drogen, spielen Meinungen und Vorurteile eine große Rolle, Fakten eine relativ kleine. Zur Versachlichung der Diskussion ist auf drei ökonomische Tatsachen aufmerksam zu machen:

- Fakt ist, daß das staatliche Verbot, die Prohibition, über hohe Preise vom Konsum illegaler Drogen abschrecken will. Fakt ist aber auch, daß der Schwarzmarkt für Drogen - insbesondere für Heroin - anders funktioniert, als die Politiker sich das vorstellen. Auf illegalen Drogenmärkten gibt es differenzierte Preise: Süchtige zahlen viel, potentielle Konsumenten wenig. Einsteiger bekommen ihren Stoff meist verbilligt oder kostenlos von Drogengebrauchern im Bekanntenkreis. Aus Sicht der Anbieter sind solche Geschenke nicht minder rational als Schnupperpreise auf legalen Märkten. Es handelt sich um rationales Marketing, um Kundengewinnung und Kundenbindung. Die beabsichtigte Preiswirkung wird umgekehrt: Erstkonsumenten werden angelockt.

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- Fakt ist, daß die Drogenpolitik Abhängige in erster Linie als Kranke behandeln will. Fakt ist aber auch, daß sie - entgegen aller Absicht - die mit dem Drogenkonsum verbundenen Gefahren erhöht. Insofern ist sie Teil jener Krankheit, für deren Therapie sie sich ausgibt: Den Drogenkonsumenten wird jener Verbraucherschutz entzogen, den auf nichtfehlregulierten Märkten Qualitätswettbewerb und Produzentenhaftung gewährleisten. Daher sind die gehandelten Drogen von niedriger und schwankender Qualität. Gerade diese Schwankungen sind besonders gefährlich, und es ist bekannt, daß sie durch Polizeirazzien regional verstärkt werden. Die meisten Drogentoten (über siebzig Prozent) werden nicht Opfer von Selbstmord, sondern von unbeabsichtigten Fehldosierungen. Insofern könnte man statt von Drogen-, von Prohibitionstoten sprechen.

- Fakt ist, daß das Drogenverbot die Bevölkerung schützen soll. Fakt ist aber auch, daß vom eigentlichen Drogengebrauch allenfalls Selbstschädigungen ausgehen. Die Fremdschädigungen, vor allem die Beschaffungskriminalität, sind das Resultat überhöhter Drogenpreise, und diese wiederum sind eine Folge der Prohibition. Tatsächlich macht die Prohibition wider Willen jene zu Opfern, die sie eigentlich schützen will.

Was als eine Regulierung illegalen Drogenkonsums gedacht war, degeneriert faktisch zu einer Deregulierung des Schwarzmarkts. Mit dem Drogenverbot wird versucht, die Anbieter auf dem Markt illegaler Drogen über die Kostenseite auszuhebeln. Hier aber greift der Hebel nicht, weil die Anbieter die ihnen entstehenden Kosten (inklusive Gewinnaufschlag) einfach auf die Kunden überwälzen. Statt dessen müßte man versuchen, die Anbieter über ihre Umsatzseite auszuhebeln. Das beste Mittel hierzu ist eine legale Drogenversorgung, die die Nachfrager vom Schwarzmarkt abzieht. Illegalen Anbietern würde durch Verdrängungskonkurrenz die Geschäftsgrundlage entzogen. Dies würde zwar nicht paradiesische Zustände herbeiführen, wohl aber drei erwünschte Effekte nach sich ziehen.

Die Preisdifferenzierung ließe sich umkehren: Im Rahmen einer legalen Drogenversorgung könnten gegenwärtige Konsumenten über niedrige Preise entlastet werden, und für potentielle Erstkonsumenten könnten Einstiegshürden errichtet werden.

Im Rahmen einer legalen Drogenversorgung ließe sich umfassender Verbraucherschutz gewährleisten. Abgesehen von niedrigen Preisen würde dies bedeuten, daß Drogenkonsumenten eine arzneimittelrechtlich kontrollierte Substanz gleichbleibender Qualität unter hygienischen Bedingungen zu sich nehmen könnten. Drogenkonsum würde dadurch nicht ungefährlich, doch wäre ein großer Teil der Risiken ausgeschaltet.

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