Gerwin Zohlen: "Architektonisches Mittelgebirge", ZEIT Nr. 39

Bad Oeynhausen ist kein "hübsch verschlafenes Städtchen", sondern eine bedeutende Kurstadt mit über 50 000 Einwohnern, seit 1845 von Preußens Prinzen und Königen großzügig gefördert und seit 1946 Staatsbad des Landes Nordrhein-Westfalen. Zohlen stellt diese Stadt und ihre Umgebung als altmodische, ländliche Idylle dar, ein "ordentliches Land" mit "Backstein Häusern mit Satteldach", mit "Feldern schwarzer Erde, auf der Strohmieten lagern" und "gelegentlich dem Schlot einer ehemaligen Ziegelei". Diese Schilderung stimmt zwar nicht mit der Realität überein; der Autor hat aber offenbar eine solche Kulisse nötig, um die "Lichtskulptur" des Energie-Zentrums ins rechte moderne Licht zu rücken. Die Weserhütte gehörte mitnichten der Hösch-Gruppe an, sondern zum Otto-Wolff-Konzern, später zur Pohling-Hockel-Bleichert-Gruppe. Der Kurpark, nach Zohlens Meinung in der "eingezäunten Schweiz" gelegen, befindet sich dort nicht und ist auch nicht eingezäunt. Die "Schweiz" ist ein weiterer großer Naturpark mit Rotwildgehege. Der idyllisch "in die Luft sprudelnde Salzbrunnen", offenbar der Jordansprudel, ist die größte kohlesäurehaltige Thermalsolequelle der Welt, die zeitweise mit 31 Grad aus 750 Meter Tiefe bis zu 50 Meter aus der Erde schießt.

Quarta 2 (Immanuel-Kant- Gymnasium), Bad Oeynhausen